Berlin, Alte Nationalgalerie, 22. Mai bis 20. September. Eintritt 12 Euro (erm. 6), VIP-Tickets ohne Wartezeit online buchbar.

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Berlin l Es ist nicht schwer vorherzusagen, dass eine Ausstellung, die impressionistische und expressionistische Meisterwerke aus der ganzen Welt zusammenbringt, ein Erfolg wird. Denn beide Kunststile gehören zum Beliebtesten, was Museen besitzen.

Überraschenderweise hatte aber noch kein Museum die Idee, die lichte, leichte Kunst der Franzosen und die farbstarke, existentialistische der Deutschen im direkten Vergleich auszustellen. Bis jetzt. Mit dem etwas kuriosen Titel "ImEx" und dem erklärenden Untertitel "Impressionismus-Expressionismus. Kunstwende" ist die aktuelle Ausstellung in der Alten Nationalgalerie in Berlinüberschrieben.

Versammelt sind 160 Werke beider Kunststile - nur 60 mussten aus anderen Museen auf der ganzen Welt geliehen werden, 100 stammen aus den eigenen Beständen. Dazu gehören so bedeutende impressionistische Gemälde wie Eduard Manets "Im Wintergarten" und expressionistische Ikonen wie Ernst Ludwig Kirchners "Potsdamer Platz" von 1914 oder Karl Schmidt-Rottluffs "Selbstbildnis mit Einglas" von 1910. Diese Meisterwerk-Fülle spricht für die Weitsicht und den Mut früherer Berliner Museumsdirektoren.

Beide Stile sind ein Aufbruch in die Moderne

Hugo von Tschudi kaufte bereits 1896 impressionistische Kunst. Und sein Nachfolger Ludwig Justi sammelte ab 1918 bedeutende expressionistische Werke. Eine Zeit lang waren die Impressionisten und die Expressionisten sogar in einem Museum vereint - wenn auch auf verschiedenen Etagen. "Justi entwickelte damals schon sein Konzept eines vergleichenden Sehens", sagt Kuratorin Angelika Wesenberg.

Diesem Konzept folgen seine Kollegen rund 100 Jahre später mit einer Schau, die die Bilder nach Themen und Motiven wie "Großstadt", "Paare" oder "Im Grünen" geordnet präsentiert.

"Gemein sind beiden Stilen der antiakademische Affront und der je eigene Aufbruch in die Moderne. Diese Bilder sollten provozieren: durch das scheinbar Flüchtig-Unfertige die einen, durch eine Vorliebe für das Wild-Undeutliche die anderen", sagt Angelika Wesenberg. Wobei der Titel "ImEx" nach dem Willen der Ausstellungsmacher auch an Ideen-Import und Motiv-Export zwischen den Künstlern und Stilen erinnern soll.

Eben das kann der Besucher nun überprüfen. Da hängen Degas´ stimmungsvoll beleuchtete "Tänzerinnen im Probensaal" bei Ernst Ludwig Kirchners giftgelben "Tänzerinnen". Manets lichtdurchflutete Ansicht des "Landhauses in Rueil" wird kontrastiert von Schmidt-Rottluffs stark stilisiertem "Haus unter Bäumen". Und Renoirs zart-direktes "Mädchenbildnis" scheint wie ein heimliches Vorbild für Max Pechsteins exotischem Mädchenkopf "Am Strand von Nidden".

Weltanschauung und Weltdurchschauung

Die Unterschiede der dicht gedrängt in Sälen und Kabinetten hängenden Bilder sind erwartungsgemäß groß, manche Ähnlichkeit überraschenderweise auch. Das empfanden schon die Künstler so: Max Liebermann und andere bezeichneten ihren Impressionismus als "Weltanschauung". Franz Marc sprach dagegen für seinen Expressionismus von "Weltdurchschauung". Beiden ging es um nichts weniger als um eine neue Kunst. Den Zeitgenossen galten beide als radikal modern, was vor allem dem Expressionismus während der Nazizeit zum Verhängnis wurde. Seine Werke wurden als "entartet" aus den Museen entfernt.

Doch so weit geht die Ausstellung nicht - sie endet mit einem expressionistischen 1913-Raum, in dem Franz Marcs bedrohlich-kriegerisches Tierbild "Die Wölfe (Balkankrieg)" zusammen mit Otto Dix´ wie eine Bombe explodierendem "Sonnenaufgang" und Ludwig Meidners apokalyptischem "Barrrikadenkampf" von den Kriegsvorahnungen der Künstler und dem Ende einer großen Zeit künden. Denn obwohl beide Kunststile noch lange nachwirkten - mit Beginn des Ersten Weltkrieges waren sie historisch geworden.

Auch wenn nicht jede impressionistisch-expressionistische Bild-Kombination restlos überzeugt, manche Sujets allzu rabiat zusammen gezwungen scheinen, richtet die Ausstellung doch einen neuen und sympathisch neugierigen Blick auf Bilder, zu denen alles gesagt schien. Allein dafür lohnt sich diese Ausstellung. Schade ist nur, dass fast ausschließlich Malerei und Grafik gezeigt werden. Die Chance, das Thema in seiner ganzen Vielfalt und Breite vorzustellen, bleibt nun anderen Museen vorbehalten.

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