Barleben l Die Unternehmen in Sachsen-Anhalt exportieren nach wie vor relativ wenig Güter ins Ausland. Zuletzt erzielten sie im Schnitt nur einen Drittel ihres Umsatzes mit internationalen Geschäften. Der Gießereitechnik-Anbieter Laempe Mössner bildet eine Ausnahme. Mehr als acht von zehn Maschinen exportiert das Unternehmen inzwischen in den Euroraum, nach China und in die USA. Damit die weltweiten Geschäfte weiter wachsen, hat das Barleber Familienunternehmen eine Allianz mit dem japanischen Konzern Sintokogio geschmiedet.

"Wachstum gibt es nur noch im Ausland, wir müssen deshalb näher an unsere Kunden dort heran", begründet Geschäftsführer Andreas Mössner die Kooperation. "Sintokogio unterhält Vertriebsstandorte, die wir künftig mitnutzen können, etwa in Thailand, Indonesien, Korea und Taiwan." In Ländern wie Brasilien, Indien und Japan könne das Unternehmen seine Präsenz mit Hilfe des neuen Partners ausbauen.

Laempe Mössner macht derzeit einen Jahresumsatz von 65 Millionen Euro und beschäftigt 300 Mitarbeiter. Es zählt damit zu den 100 größten Unternehmen in Sachsen-Anhalt. Der japanische Gießereimaschinenhersteller Sintokogio ist ungleich größer. Das börsennotierte Unternehmen aus Nagoya ist in zwölf Ländern weltweit vertreten, beschäftigt 3800 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Umsatz von mehr als 700 Millionen Euro. Im Zuge der neuen Allianz hat Sintokogio nun 40 Prozent der Anteile am Barleber Unternehmen erworben, die Eigentümerfamilie Mössner bleibt aber mit 60 Prozent Mehrheitseigner. Über die Summe, die der japanische Konzern für die Beteiligung auf den Tisch gelegt hat, habe man Stillschweigen vereinbart.

Mit gemeinsamen Bestellungen Kosten sparen

"Wir sehen uns weiter als Familienunternehmen und werden den Charakter eines solchen behalten - auch wenn an unserer Seite jetzt ein großer Partner steht", so Andreas Mössner. Aufgrund des familiären Charakters des Unternehmens sei auch nur eine Minderheitsbeteiligung der Japaner infrage gekommen.

Sintokogio profitiert trotzdem von der Partnerschaft. Die Japaner möchten als Komplettlösungsanbieter in der Gießerei wahrgenommen werden, mussten bislang spezielle Maschinen aber noch bei Dritten bestellen. Wie etwa Kernschießmaschinen, die das Barleber Unternehmen entwickelt und produziert. Künftig können die Japaner leichter auf diese Maschinen zugreifen.

In Deutschland erhoffen sich beide Unternehmen auch Vorteile im Einkauf. Sintokogio hat eine Tochtergesellschaft im nordrhein-westfälischen Bad Laasphe, die Heinrich Wagner Sinto Maschinenfabrik (HWS). Das Unternehmen stellt, ähnlich wie Laempe Mössner, spezielle Maschinen für Gießereien her. Weil HWS und Laempe für ihre Maschinen ähnliche Bauteile einkaufen müssen, wollen sie ihre Bestellungen künftig zusammenfassen. Denn bei höheren Bestellvolumen können sie von den Zulieferern günstigere Preise verlangen und somit Kosten sparen.

Andreas Mössner ist froh, dass er die Japaner für die Partnerschaft gewinnen konnte, gerade mit Blick auf die Auslandsgeschäfte. "Aus eigener Kraft hätten wir auch im Ausland expandieren können - bloß hätte das deutlich länger gedauert", erklärt er. Vertriebsstandorte und Kontaktnetzwerke hätten erst neu aufgebaut werden müssen. "Diesen Aufwand haben wir uns mit der Partnerschaft gespart, für bestimmte Märkte hat Sintokogio Know-how und Ressourcen, die wir jetzt nutzen können."

Künftig wird Laempe Mössner auch unter dem Namen "Laempe Mössner Sinto GmbH" firmieren. Weitere Details zur Partnerschaft will das Barleber Unternehmen bei der weltgrößten Gießereifachmesse vom 16. bis 20. Juni in Düsseldorf bekanntgeben.