Wie Millionen Griechen hört Thanasis Glavinas jeden Morgen wieder mit Bangen die Nachrichten: Wie steht es um die Staatsfinanzen, gilt in Griechenland noch der Euro? Es sei eine Krisen-Marter, die das Land lähme, erklärt Glavinas in gutem Deutsch. Der 27-Jährige lebt zwar in der Bundesrepublik, ist aber eng mit Freunden und Familie in Thessaloniki verdrahtet.

Der junge Grieche studiert Politik in Bonn und absolviert derzeit ein Praktikum im Bundestagsbüro von Burkhard Lischka (SPD). Dazu gehört ein einwöchiger Abstecher in dessen Wahlkreisbüro nach Magdeburg. Die Stadt sei ruhig und biete eine gute Lebensqualität, so seine Beobachtungen. "Leider sind die Sehenswürdigkeiten in Magdeburg etwas versteckt", findet er.

Primär ist Glavinas aber nicht zum Sightseeing gekommen, sondern um wie auch in Berlin das politische Leben zu studieren. Er hat die Versammlung in einem SPD-Ortsverein miterlebt, in der auch über einen "Grexit" geredet wurde, und den Abgeordneten Lischka bei Vor-Ort-Terminen in Barby und Calbe begleitet.

Den für ihn größten Unterschied zwischen Deutschland und Griechenland in der Politik beschreibt er so: "Hier gibt es keine Feindschaft zwischen den Parteien wie in Griechenland. Es wird immer versucht, einen Kompromiss zu finden - bei uns nie!" Die Gründe dafür lägen in der bürgerkriegsgeprägten Geschichte.

Nettoeinkommen von 400 Euo keine Seltenheit

Glavinas stammt aus einer Pasok-Familie. Die griechischen Sozialdemokraten wurden bei der letzten Wahl kräftig gerupft - die jetzt regierende Syriza hatte viele der früheren Pasok-Wähler eingesammelt.

Dennoch wünscht der Student der Syriza-Regierung Erfolg: Bei deren Scheitern wisse niemand, was komme - bis hin zum Wiedererstarken der Rechtsextremen. "Die Krise hat das bisherige System zerstört, das jetztige ist nicht stabilisiert."

In Griechenland herrsche ein große Nervosität, aktuell würden Einschränkungen auch im privaten Zahlungsverkehr diskutiert. Nettoeinkommen von 400 Euro seien keine Seltenheit, die Schwarzarbeit grassiere, die Beamten im öffentlichen Dienst seien demotiviert. "Griechenland braucht endlich eine Entscheidung", fordert Glavinas.

Für ihn ist klar, welche: Verbleib des Landes in Euroraum und EU. "Das ist für mich so selbstverständlich wie Wassertrinken." Freilich weiß der Student, dass dies vor allem eine politische Angelegenheit ist. "Rein finanziell betrachtet wären wir längst raus."

Glavinas´ Hoffnung, dass Europa zu Griechenland hält, gründet sich auch auf die exponierte Lage des Landes im instabilen Balkanraum.

Er wünscht sich, dass aus seiner Heimat ein moderner Staat wird, der soziale Sicherheit bietet und der Korruption - auch in der Pasok - einen Riegel vorschiebt. Als Teil Europas, das Glavinas als "große Familie" mit unterschiedlichen Mentalitäten sieht.

Auf die Frage, ob ihm an der deutschen Lebensart auch etwas stört, fällt Glavinis wenig ein. Eines mache ihm allerdings zu schaffen: Laufend Witze über Griechen und ihren laxen Umgang mit Finanzen hören zu müssen. Das sei "versteckte Diskriminierung".