Berlin - Linke-Fraktionschef Gregor Gysi hat SPD-Chef Sigmar Gabriel Gespräche über die Bildung einer rot-rot-grünen
Regierung schon vor Ablauf der Wahlperiode angeboten.


Auf die Frage des Berliner "Tagesspiegel am Sonntag", ob seine Partei bei einem Bruch des schwarz-roten Bündnisses zu Koalitionsverhandlungen mit den Sozialdemokraten bereit sei, sagte Gysi: "Selbstverständlich, mit inhaltlichen Forderungen." Und weiter: "Die SPD könnte morgen den Kanzler stellen, wenn sie nur wollte. Wir können auch gerne Neuwahlen machen. Aber zu alledem fehlt der SPD offenbar der Mumm."

Die SPD wisse nicht, was sie wolle, kritisierte Gysi. "Gabriel redet einen Tag so, als ob er jetzt tapfer Widerstand gegen Merkel leisten wolle. Dann ordnet er sich wieder ein und unter. Vielleicht ist er zufrieden als Vizekanzler."

Für eine rot-rot-grüne Regierung kann sich Gysi Kompromisse in der Außenpolitik vorstellen. "Im Augenblick gäbe es mit den Grünen sicherlich Debatten wegen des Verhältnisses zur Ukraine und zu Russland. Aber mit der SPD käme man bei diesem Thema eher hin." Schwierig könnte es bei Rüstungsexporten werden. "Aber wenn wir es schafften, dass in Spannungsgebiete und an Länder wie Saudi-Arabien und Katar keine Waffen und Panzer mehr geliefert würden, wäre das schon ein gewaltiger Fortschritt. Wir müssen natürlich auch begreifen, dass wir eine Zehn-Prozent-Partei sind und nicht eine 50-Prozent-Partei."