Magdeburg l Eine "Modernisierungspartnerschaft" mit Russland zu pflegen, dieses erklärte Ziel von Kanzlerin Angela Merkel droht angesichts der Eskalation im Ukraine-Konflikt zu platzen. Die deutsche Wirtschaft wäre schon froh, wenn die bestehenden Beziehungen zu Russland und zur Ukraine nicht weiter in Mitleidenschaft gezogen werden.

Wolfgang März, Hauptgeschäftsführer der IHK Magdeburg: "Neben wirtschaftlichen Kontakten von Unternehmen etwa aus dem Stahl- und Maschinenbau gibt es auch freundschaftliche Beziehungen zwischen der IHK Magdeburg und Wirtschaftskammern in der Ukraine. Diese dürfen nicht aufs Spiel gesetzt werden." Die Krise auf der Krim und die Abwertung der ukrainischen Währung verteuere bereits deutsche Exporte in die Ukraine. März: "Das könnte auch Unternehmen in Sachsen-Anhalt treffen, die als Zulieferer für große deutsche Konzerne etwa aus dem Maschinen- und Anlagenbau produzieren."

Während die Ukraine 2013 nur einen Anteil von 0,1 Prozent am Import und 0,9 Prozent am Export Sachsen-Anhalts hatte, ist das Russlandgeschäft ungleich wichtiger. Die Russische Föderation ist Sachsen-Anhalts bedeutendster Importpartner. 37,4 Prozent aller Einfuhren kamen von dort - vor allem Erdöl zur Benzinproduktion. Der Exportwert liegt bei geringen 2,9 Prozent.

Der Ost-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft fürchtet Auswirkungen des Krim-Konflikts auf die globale Wirtschaft: "Wenn jetzt eine Spirale aus gegenseitigen Wirtschaftssanktionen in Gang gesetzt wird, droht die europäische Wirtschaft nachhaltig Schaden zu nehmen", warnte der Ausschuss-Vorsitzende Eckhard Cordes.

Der deutsche Handel mit Russland hatte 2013 ein Volumen von 76,5 Milliarden Euro. Der Handels- umsatz mit der Ukraine betrug nur ein Zehntel davon - 7 Milliarden Euro. Die in Russland geplante mögliche Enteignung ausländischer Unternehmen nannte Cordes alarmierend. "Russland droht mit einer solchen Gesetzesinitiative das Vertrauen ausländischer Unternehmen in den Standort zu beschädigen. Sollte das Gesetz kommen, wird das eine dauerhaft abschreckende Wirkung auf Investoren haben."

Cordes appellierte an Russland und EU, die Ausweitung der politischen Krise auf die Wirtschaft zu verhindern. Die Chancen schwinden rapide.