Athen | Es hat gewaltig gekracht in Athen am Donnerstagmorgen - einen Tag vor dem Besuch der Bundeskanzlerin. Bei der Bombenexplosion in der Nähe der Notenbank blieb es glücklicherweise bei Sachschaden. Der linke terroritische Untergrund wird als Urheber vermutet.

Eine Einzelaktion: Die letzte Merkel-Visite in der griechischen Hauptstadt im Herbst war noch von Massenprotesten begleitet. Die deutsche Regierungschefin galt bei vielen Griechen als die Schuldige am Niedergang ihres Landes. Die strenge Euro-Zuchtmeisterin Angela Merkel musste sich gar Vergleiche mit Adolf Hitler gefallen lassen.

Lange her. In dieser Woche hat Griechenland, das derzeit die EU-Ratspräsidentschaft inne hat, sich erstmals seit der Krise wieder auf die internationalen Kapitalmärkte vorgewagt, um Geld einzusammeln. Und siehe da: Gestern konnte eine fünfjährige Staatsanleihe platziert werden. Griechenland sammelte so drei Milliarden Euro ein.

Als Zeichen dafür, dass es endlich wieder aufwärts geht, hatten griechische Regierungsvertreter in den vergangenen Wochen immer wieder den leichten Haushaltsüberschuss für 2013 herausgestellt. Allerdings ohne den nötigen Verweis auf die milliardenschwere Schuldenlast, die die Hellenen weiter drückt.

Das Gegenprogramm bildete am Mittwoch ein Generalstreik gegen den strammen Sparkurs der Regierung sowie gegen Entlassungen von Staatsdienern und gegen Privatisierungen.

Dennoch steht der konservative Regierungschef Antonis Samaras heute nach außen hin weit besser da als im freudlosen Herbst 2012. Das Land ist nicht pleite und ist nicht aus der Eurozone geflogen.

Das wird Angela Merkel loben. Auch um dem Konservativen Samaras vor den Europawahlen im Mai dieses Jahres den Rücken zu stärken. Ebenso wird sie die Bereitschaft der Griechen preisen, Opfer beinahe bis zur Selbstaufgabe gebracht zu haben. Die Kanzlerin kann Streicheleinheiten verteilen. Sie wird selbstverständlich mahnen, nur nicht lockerzulassen beim Konsolidierungskurs.

Bei den Griechen konzentrieren sich Ärger und Wut über Arbeitslosigkeit, sinkende Löhne und sozialen Abstieg inzwischen auf die Troika, die beim Volk verhasste Kontrollinstanz von EU, Internationalem Währungsfonds und Europäischer Zentralbank.

Angela Merkel hat freilich in Griechenland auch weiter treue Feinde wie Alexis Tsipras, Chef der Linskpartei Syriza. Er bezeichnete die Kanzlerin im italienischen Rundfunk "als gefährlichste Politikerin für die europäischen Völker". Tsipras möchte Samaras nur allezu gern im Amt beerben.