Zwischenlösung. Die freiberuflichen Hebammen stehen im Streit um Tarife für Haftpflichtversicherungen vor einer befristeten und auch teuren Lösung.

Zeitgewinn. Nachdem die Nürnberger Versicherung zum Juli 2015 aus dem Haftpflichtvertrag mit dem Hebammenverband ausgetreten war, unterbreitet eine Gruppe von Versicherern nun ein von Juli 2015 bis 2016 geltendes Angebot mit einer Steigerung der Prämien um 20 Prozent. Das Grundproblem ist damit nicht gelöst, aber Zeit ist gewonnen.

Kosten. Derzeit kostet die Haftpflichtversicherung für Hebammen, die Geburtshilfe anbieten, 4242 Euro im Jahr. Der Preis soll ab diesem Juli rund 5000 Euro betragen. Ein Jahr später würde diese Versicherung 6000 Euro kosten.

Ursachen. Gerichte erkennen immer höheres Schmerzensgeld und auch die langfristigen Kosten der Pflege an. Diese wachsen, da die Kinder dank guter medizinischer Versorgung länger als früher überleben. Eigentlich eine gute Entwicklung - aus Sicht der Versicherer aber ein Geschäft mit hohem Risiko .

Berlin (dpa) l Auch nach dem neuen Angebot einer Haftpflichtversicherung für freiberufliche Hebammen ist eine Dauerlösung nicht in Sicht. Mehrere tausend Menschen machten deshalb am Sonnabend in Berlin auf die Existenz-Angst der freiberuflichen Hebammen aufmerksam. Dankesbriefe von Eltern an die Geburtshelferinnen hingen vor dem Kanzleramt. Nach Angaben der Veranstalter kamen rund 4000 Menschen zur Demonstration, die Polizei sprach von etwa 2000.

Wegen der hohen Schadensersatz-Summen im Fall von Fehlern der Hebammen hatten sich die Versicherungen zunächst geweigert, weiterhin Absicherungen anzubieten. Nun legt eine Gruppe von Assekuranzen eine auf ein Jahr befristete Versicherung mit einer Steigerung der Prämien um 20 Prozent auf. Eine in der Geburtshilfe tätige freiberufliche Hebamme müsste damit allerdings eine Versicherungssumme von über 6000 Euro pro Jahr bezahlen. Die Geburtshelferinnen fürchten deshalb um ihre Existenz.

Die SPD-Politikerin Elke Ferner, Vorsitzende der Arbeitsgemeinschaft Sozialdemokratischer Frauen, sagte: "Eine Lösung, die bezahlbare Haftpflichtprämien nur bis 2016 sicherstellt, kann nur ein allererster Schritt sein." Die Grünen-Gesundheitsexpertin Elisabeth Scharfenberg forderte Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU) auf, schnellstens Maßnahmen zu ergreifen, die die Haftpflichtprämien senken.