Magdeburg (sh) | Nach der Niederlage Hitler-Deutschlands im Zweiten Weltkrieg entlud sich der Zorn der Sieger und der unterdrückten Bevölkerung an den Deutschen, die jenseits der neu festgelegten Grenzen lebten. Rund 12 Millionen Deutsche und deutschsprachige Bewohner der Staaten in Ost-, Ostmittel- und Südosteuropa wurden gezwungen, ihre Heimat zu verlassen. Entweder flohen sie oder wurden Opfer der staatlich angeordneten Vertreibung.

Rund 7,9 Millionen davon mussten in den Westzonen (seit 1949 Bundesrepublik Deutschland) aufgenommen werden. 4 Millionen kamen in der Ostzone (ab 1949 Deutsche Demokratische Republik) unter. Einige Hunderttausend gelangten nach Österreich und in andere Länder. Allein mehr als drei Millionen Sudetendeutsche wurden aus der Tschechoslowakei vertrieben.

Die dortige deutsche Minderheit wurde nach Hitlers Machtantritt 1933 von der sich als überparteilich ausgebenden Sammelbewegung "Sudetendeutsche Heimatfront" (SHF) dominiert, aus der 1935 die "Sudetendeutsche Partei" entstand. Unter Führung Konrad Henleins versuchte sie sich als selbständig auszugeben, stand aber tatsächlich unter starkem Einfluss der Nationalsozialisten und erhielt von der NSDAP auch finanzielle Unterstützung. Bei den Wahlen im Mai 1938 bekannte sich die Henlein-Partei in aller Offenheit zur Politik Hitlers. Sie erhielt 91 Prozent aller deutschen Stimmen.

Am 30. September desselben Jahres wurde mit dem Münchener Abkommen das Sudetenland an das Deutsche Reich abgetreten, die Vorstufe zur Besetzung der Tschechoslowakei.

Der 1938 emigrierte Präsident Eduard Benes gründete in Großbritannien eine tschechische Exilregierung. Dort erarbeitet er die sogenannten "Benes-Dekrete", auf deren Basis er 1945 nach seiner Rückkehr aus dem Exil in der Tschechoslowakei regierte, wobei diese Erlässe auch die Entrechtung, Enteignung und Vertreibung der Deutschen und Ungarn in der Tschechoslowakei beinhalteten.

Benes wurde nach dem Sieg erneut Präsident der wiederentstehenden Tschechoslowakei. Ein Beschluss der Regierung vom 3. August 1945 ordnete die Abschiebung aller Deutschen an.

Bis Ende 1946 wird die Vertreibung der Deutschen und Ungarn, bei der Zehntausende ums Leben kommen, abgeschlossen. Rund 250.000 Deutsche bleiben in der Tschechoslowakei und werden bis 1953 eingebürgert.