Tel Aviv/Gaza (dpa) l Bei einer massiven israelischen Offensive im Gazastreifen sind mindestens 14 Menschen getötet und 80 weitere verletzt worden. Die Luftschläge gelten als möglicher Auftakt eines neuen Gaza-Kriegs. Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier warnte vor einer militärischen Konfrontation, die völlig außer Kontrolle geraten könnte.

Der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu wies die Armee am Dienstag an, auch Vorbereitungen für eine mögliche Bodenoffensive im Gazastreifen zu treffen. Im Kampf gegen die Hamas sei es an der Zeit, "die Samthandschuhe auszuziehen", sagte er.

Israel will mit der Operation "Zuk Eitan" (Fels in der Brandung) den Raketenbeschuss seiner Ortschaften unterbinden. Der jüdische Staat hält auch eine Ausweitung der Raketenangriffe auf den Großraum Tel Aviv für wahrscheinlich.

Die israelische Armee teilte am Dienstagnachmittag mit, bislang habe die Luftwaffe 150 "Terror-Ziele" im Gazastreifen angegriffen. Nach palästinensischen Angaben wurden auch ranghohe Hamas-Aktivisten getötet, darunter der Marinekommandeur Raschid Jassin. Seit Beginn der israelischen Luftoffensive seien von palästinensischer Seite etwa 130 Raketen auf israelische Ortschaften abgefeuert worden.

"Frieden ist möglich."

In Chan Junis im südlichen Teil des Küstenstreifens kamen nach Angaben von Sanitätern vier Menschen bei einem Angriff auf ein Haus ums Leben. Fünf Mitglieder der radikalen Palästinenserorganisation Islamischer Dschihad seien bei einem gezielten Angriff auf ein Auto in der Stadt Gaza getötet worden. Ein Hamas-Mitglied sei zudem im Zentrum des Gazastreifens getötet worden.

Auslöser der jüngsten Runde der Gewalt waren die Entführung und die Ermordung von drei jüdischen Teenagern am 12. Juni sowie der mutmaßliche Rachemord an einem palästinensischen Jugendlichen in der vergangenen Woche. Israel ist seit der Entführung massiv gegen die Infrastruktur der Hamas im Westjordanland vorgegangen und hat Hunderte von Mitgliedern der Organisation festgenommen.

Darunter waren auch Männer, die Israel vor drei Jahren im Tausch gegen den Soldaten Gilad Schalit freigelassen hatte. Hamas fordert als Bedingung für ein Ende der Raketenangriffe ihre sofortige Freilassung sowie eine Aufhebung der Blockade des Küstenstreifens durch Israel und Ägypten.

US-Präsident Barack Obama rief Israelis und Palästinenser eindringlich zu einer friedlichen Lösung auf. "Frieden ist möglich", schrieb Obama in einem Gastbeitrag für die israelische Zeitung "Haaretz". Beide Seiten müssten bereit sein, dafür Risiken einzugehen. "Wenn der politische Wille zu ernsthaften Verhandlungen existiert, werden die USA da sein - bereit, unsere Rolle zu übernehmen."

Palästinenserpräsident Mahmud Abbas forderte Israel auf, die "Eskalation und die Angriffe auf Gaza unverzüglich zu stoppen", berichtete die palästinensische Nachrichtenagentur Wafa. Nach Angaben aus palästinensischen Sicherheitskreisen zerstörten israelische Kampfflugzeuge im Süden des Gazastreifens drei Häuser von Hamas-Mitgliedern. Die dort lebenden Familien hätten zuvor einen Warnanruf der israelischen Armee erhalten. Der bewaffnete Arm der Hamas warnte umgehend vor weiteren solchen Attacken. Angriffe auf Wohnhäuser seien eine rote Linie, schrieben die Al-Kassam-Brigaden in einer per E-Mail verbreiteten Mitteilung. Sollte dies nicht gestoppt werden, "werden wir darauf mit einer überraschenden Ausweitung unserer Attacken reagieren".

Die Hamas hatte am Montag Dutzende Raketen auf Israel abgefeuert. Israel teilte mit, es seien Ortschaften im Umkreis von 40 Kilometern vom Gazastreifen angegriffen worden. Zahlreiche Raketen seien vom Abwehrsystem "Iron Dome" abgefangen worden. Meinung

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