Kiew/Moskau (dpa) l Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat der Ukraine bei ihrem Besuch in Kiew Unterstützung zugesagt und an Moskau appelliert, sich einer diplomatischen Lösung des Konflikts nicht zu verschließen. Notwendig sei ein "zweiseitiger Waffenstillstand" zur Beendigung der Gefechte zwischen Regierungstruppen und Aufständischen im Osten, sagte Merkel nach einem Treffen mit Präsident Petro Poroschenko. "Allein kann man keinen Frieden schaffen", betonte sie.

"Allein kann man keinen Frieden schaffen."
Angela Merkel, Bundeskanzlerin

Die Kanzlerin, die am Sonnabend zum ersten Mal seit Ausbruch des Konflikts Ende 2013 in Kiew war, versprach der Ukraine Finanz- und Wirtschaftshilfe für den Wiederaufbau der zerstörten Infrastruktur im Osten. Sie kündigte eine Kreditbürgschaft über 500 Millionen Euro für die Energie- und Wasserversorgung und den Aufbau von Schulen sowie 25 Millionen Euro Hilfe für Flüchtlinge an. Zudem sollen 20 im Kampf verwundete Soldaten auf deutsche Kosten behandelt werden.

"Das ist der Beginn des Merkel-Plans für den Wiederaufbau des Donbass", sagte Poroschenko. "Krieg ist nicht unsere Wahl, er wurde uns von außen aufgedrückt", betonte der Präsident der Ex-Sowjetrepublik.

"Krieg ist nicht unsere erste Wahl."
Petro Poroschenko, Präsident

Vor dem Treffen mit Kremlchef Wladimir Putin an diesem Dienstag sagte der ukrainische Präsident, sein Land und die EU würden hier "koordiniert handeln". "Wir hoffen sehr, dass ein positives Ergebnis erzielt wird", unterstrich Poroschenko.

Poroschenko sagte, Deutschland sei ein "mächtiger Freund" und "starker Anwalt" der Ukraine in der Europäischen Union. "Ich möchte betonen, dass Frau Merkel wie keine andere die Probleme kennt, mit denen die Ukraine konfrontiert ist."

Unterdessen gehen die Kämpfe weiter. Die Behörden von Lugansk berichteten von Gefechten rund um die Stadt. 68 Menschen seien innerhalb von 24 Stunden verletzt worden. Prorussische Separatisten berichteten zudem von heftigen Kämpfen in Donezk. Meinung