"Akt der Aggression"

Russland hat die von US-Präsident Barack Obama angekündigten Luftangriffe auf Ziele in Syrien scharf kritisiert. Ein solches Vorgehen wäre ohne Genehmigung durch den Weltsicherheitsrat ein "Akt der Aggression", sagte Außenamtssprecher Alexander Lukaschewitsch. Auch das Einverständnis der syrischen Führung sei nötig. "Der US-Präsident hat die Möglichkeit von US-Schlägen auf Stellungen des Islamischen Staates in Syrien erklärt. Ein solcher Schritt ohne Billigung der UN wäre ein grober Verstoß gegen das Völkerrecht." (dpa)

Washington/Berlin (dpa) l US-Präsident Barack Obama will die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit einer militärischen Allianz der Verbündeten in Europa und dem Nahen Osten zerstören. Vor dem Jahrestag der Anschläge vom 11. September kündigte Obama einen Kurswechsel und eine Ausweitung der im Irak begonnenen Luftangriffe auch auf Syrien an. Moderate syrische Rebellen sollen vom US-Militär trainiert und ausgerüstet werden.

Obama forderte eine politische Lösung für das Bürgerkriegsland, "um den Konflikt ein für alle Mal" beizulegen. Dem Regime von Syriens Präsidenten Baschar al-Assad sprach er jede Legitimität und Rolle ab.

Obama auf Bush-Kurs

Obama sagte am Mittwochabend (Ortszeit) in einer Rede an die Nation: "Unser Ziel ist klar: Wir werden IS mit einer umfassenden und andauernden Anti-Terror-Strategie schwächen und letztendlich zerstören." In einer unsicheren Welt sei amerikanische Führung die feste Größe.

Nach dem langen Zögern Obamas bedeutet die Ankündigung einen Kurswechsel. Der Präsident stimmte die Amerikaner auf einen langen Einsatz ein: "Es wird Zeit brauchen, einen Krebs wie IS zu beseitigen." Obama hatte stets betont, dass er den von seinem Vorgänger George W. Bush geerbten Krieg im Irak beendet habe und den Kampfeinsatz auch in Afghanistan beenden werde. Der nun angekündigte Kampf könnte sich bis in die Amtszeit von Obamas Nachfolger ziehen.

Die syrische Opposition unterstützt die Pläne. "Wir haben lange nach einem solchen Handeln gerufen und immer wieder vor der Gefahr durch extremistische Gruppen gewarnt", erklärte der Vorsitzende der Nationalen Syrischen Koalition (NSC), Hadi al-Bahra. Die mit der Koalition verbundene Freie Syrische Armee (FSA) könne in dem Konflikt obsiegen, brauche aber Unterstützung, um eine verlässliche und gut ausgebildete Streitmacht zu formen.

1500 US-Soldaten im Irak

Obama kündigte die Entsendung von 475 weiteren Soldaten in den Irak an. Sie sollen dort irakische und kurdische Kräfte ausbilden, ausrüsten und beraten. Damit steigt die Zahl der in den Irak beorderten Soldaten auf mehr als 1500, von denen etwa die Hälfte für den Schutz diplomatischer Einrichtungen zuständig ist. Einen Einsatz von Soldaten mit einem Kampfauftrag schloss Obama erneut aus: "Wir werden uns nicht in einen weiteren Bodenkrieg im Irak ziehen lassen."

Der Präsident warnte, dass die IS-Kämpfer neben dem Nahen Osten bald auch zu einer Gefahr für die USA heranwachsen könnten. "Obwohl wir noch keine spezielle Verschwörung gegen unser Heimatland entdeckt haben, haben IS-Anführer Amerika und unsere Verbündeten bedroht." Er bezog sich auf die Enthauptung der beiden US-Journalisten James Foley und Steven Sotloff. Der Fluss Tausender ausländischer Kämpfer müsse gestoppt und die Geldquellen der IS-Terroristen ausgetrocknet werden. Die humanitären Einsätze zum Schutz von Minderheiten und Flüchtlingen sollten fortgesetzt werden. Das US-Militär hatte vor rund vier Wochen begonnen, Stellungen des IS im Irak zu bombardieren und seitdem mehr als 150 Angriffe geflogen.

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