Der Emir von Katar

Scheich Tamim Bin Hamad al-Thani hat den kleinen Golfstaat auf das internationale Tableau gehoben. Als Sportfan holte er für 2022 die Fußball-WM ins Land. Und in den Nachwehen des "Arabischen Frühlings" wurde Katar zum politischen Akteur über seine Ländergrenzen hinaus. Der fromme Tamim al-Thani ist seit Juni 2013 Emir von Katar und mit 34 Jahren jüngster aller arabischen Herrscher. Er gewährte dem Chef der im Gazastreifen herrschenden Hamas, Chaled Maschaal, und Mitgliedern der in Ägypten verbotenen Muslimbruderschaft Asyl.

Wirtschaftlich ist das kleine Katar (Einwohner: 1,7 Millionen) ein Riese. Jeder der Kataris erwirtschaftet dank der großen Gas- und Ölvorkommen ein Bruttoinlandsprodukt von gut 77 100 Euro. International wird der Scheich mit Argwohn beobachtet. Kritiker werfen ihm Unterstützung der IS-Terrormiliz vor. Tamim will nun reagieren: Die ägyptischen Muslimbrüder sollen gehen und im Kampf gegen IS will sich Katar an die Seite der USA stellen.

Wirtschaftsmacht
Beteiligungen: Katar hält u.a. folgende Beteiligungen an Aktien-Unternehmen:
Volkswagen (17 Prozent)
Hochtief (11,1%)
Deutsche Bank (5,83%)
Siemens (3,15%)

Titel: Emir (arabisch) bedeutet "Befehl", "Fürst", Prinz", "Gouverneur" oder "Befehlshaber".
In frühislamischer Zeit befehligte ein "Emir" muslimische Soldatentruppen. Nach Eroberungen wurde er dort "Gouverneur".

Emirate: Souveräne Emirate sind Kuwait, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate. (dpa/dr)

Berlin (dpa) l Der Emir von Katar hat Vorwürfe zurückgewiesen, der reiche Golfstaat versorge die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) mit Geld. "Katar hat nie und wird niemals terroristische Organisationen unterstützen", sagte Scheich Tamim Bin Hamad al-Thani am Mittwoch nach einem Gespräch mit Kanzlerin Angela Merkel in Berlin. Es ist der erste Deutschland-Besuch des 34-jährigen Herrschers, der Mitte 2013 die Macht in Doha übernahm.

Merkel betonte, sie habe "keinen Grund, den Aussagen des Emirs nicht zu glauben". Sie hob hervor, dass Katar sich der internationalen Koalition gegen den IS angeschlossen habe.

Die sunnitische Miliz, der Zehntausende Kämpfer zugerechnet werden, beherrscht weite Teile Syriens und des Iraks. In der Vergangenheit gab es immer wieder Spekulationen, der IS werde mit Geld aus dem öl- und gasreichen Emirat Katar finanziert - und auch mit Geldern aus Saudi-Arabien.

Deutschland gehört zu einer internationalen Koalition, die unter Führung der USA die Islamisten, die Andersgläubige und Minderheiten ermorden, zurückdrängen will. Katar hatte vergangene Woche zusammen mit neun anderen arabischen Staaten zugesagt, Finanzströme der Extremisten und den Zulauf von ausländischen Kämpfern zu stoppen.

20-minütiges Gespräch mit Bundespräsident Gauck

Auch Bundespräsident Joachim Gauck sprach den Emir auf eine angebliche IS-Unterstützung an. Das gut 20-minütige Gespräch wurde als ausgesprochen offen beschrieben.

Katar, das 2022 die Fußball-Weltmeisterschaft ausrichtet, zählt zu den weltweit größten Investoren und hat bereits Milliarden in die deutsche Wirtschaft investiert. Das Emirat hält Beteiligungen an VW, Deutsche Bank und Siemens. Merkel und der Emir wollen die Zusammenarbeit nun vor allem im Energiebereich ausbauen.

Wirtschafts- und Handelsminister Scheich Ahmed Bin Jassim Bin Mohamed al-Thani kündigte weitere Investitionen in Deutschland an. CDU-Chefin Merkel lobte, Katar sei ein langfristig orientierter Investor: "Nicht einer, der rein- und rausgeht."

Politiker von SPD, Grünen und Linken forderten die Bundesregierung dagegen auf, mit Katar keine Geschäfte mehr zu machen.

Kritik von SPD-Vize und Linken-Politikerin

SPD-Vize Ralf Stegner sagte dem "Handelsblatt": "Länder, die finanziell oder politisch den Terrorismus des IS unterstützen, dürfen weder deutsche Waffenlieferungen bekommen, noch sollte es mit solchen Staaten privilegierte Wirtschaftsbeziehungen geben." Die Linken-Politikerin Sevim Dagdelen nannte es "unerträglich, dass Berlin dem blutigen Diktator Katars (...) den roten Teppich ausrollt".

Katar kauft in Deutschland seit Jahren auch Rüstungsgüter, darunter den Kampfpanzer Leopard 2. Merkel betonte, Rüstungsexporte in das arabische Land seien Einzelfall-entscheidungen, die nach geltender Rechtslage mit Sicherheitsinteressen abgewogen würden.

In der Rangliste der wichtigsten Zielländer der deutschen Rüstungsindustrie außerhalb der Nato stand Katar allerdings im vergangenen Jahr auf Platz zwei: Für 673 Millionen Euro wurden Rüstungsgüter - vom gepanzerten Fahrzeug bis zum Flugsimulator - in das Emirat verkauft.

Scheich Tamim gibt Fehler in seinem Staat zu

Merkel forderte den Emir auf, ausländische Gastarbeiter auf den WM-Baustellen besser zu behandeln. Ein so reiches Land wie Katar könne bessere Arbeitsbedingungen bieten. Tamim al-Thani räumte Versäumnisse ein: "Wir sagen nicht: Wir sind der ideale Staat, der keine Fehler macht." Sein Land arbeite ernsthaft an Lösungen. Menschenrechtler kritisieren seit langem die Ausbeutung ausländischer Arbeiter mit vielen Todesfällen in Katar. Meinung

Bilder