Athen l Europa schließt die Reihen: Nach dem deutschen Finanzminister Wolfgang Schäuble hat EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker am Montag noch einmal eine scharfe Warnung in Richtung Athen geschickt: "Jede künftige Regierung wird die Zusagen respektieren müssen, die bereits gemacht worden sind." Adressat ist Alexis Tsipras, Führer des linksradikalen Parteienbündnisses Syriza, das als Favorit für die vorgezogene Parlamentswahl gehandelt wird.

Die Tsipras-Truppe liegt nach einer Umfrage aus der Vorwoche mit 32 Prozent klar vor der regierenden konservativen Neo Demokratia mit 29 Prozent.

Was nicht verwundert: Syriza bündelt in ihrem Programm alles, was den Griechen stinkt: Die Linksradikalen wollen eine Gratis-Stromversorgung für 300000 finanzschwache Haushalte und Nahrungsmittelhilfe für Bedürftige. Obdachlose sollen mit Staatshilfe in leerstehende Wohnungen einziehen können. Für Rentner, die weniger als 700 Euro haben, sind künftig 13 Renten pro Jahr statt 12 geplant.

Den Schuldendienst der privaten Haushalte will Syriza auf ein Drittel des Einkommens begrenzen. Die Verluste der Banken sollen aus dem mit EU-Geld gespeisten Bankenstabilisierungsfonds kompensiert werden. Dafür stehen noch rund zehn Milliarden Euro zur Verfügung.

Die Linksradikalen wollen zudem den Staat reorganisieren, die Zahl der Ministerien von 18 auf 10 reduzieren sowie Korruption und Steuerhinterziehung bekämpfen.

Weiterhin sollen der gekürzte Mindestlohn wieder von 586 auf 750 Euro pro Monat erhöht, die Gewerkschaften und das System der Flächentarifverträge gestärkt werden. Das Bündnis will die Produktivität der Unternehmen erhöhen, statt die Löhne zu senken.

Das erforderliche Geld dafür will die Syriza durch Eintreiben von Steuerrückständen, die Bekämpfung der Steuerhinterziehung und höhere Besteuerung der Reichen hereinholen. Der "Grexit", also der Austritt aus der Eurozone, sei für ihn aber kein Thema, beteuert Tsipras: "Es ist in jeder Hinsicht klar, dass sich die Frage nach einem Ausstieg Griechenlands aus dem Euro nicht stellt."

Offensichtlich auch für die Geldgeber nicht. Zwar wurde in Deutschland kolportiert, die Bundesregierung könne mit einem griechischen Euro-Austritt leben, aber der Herzenswunsch Berlins ist das wohl nicht.

Nach Medienberichten gibt es bereits inoffizielle Kanäle zwischen der Merkel-Regierung und den Linksradikalen.

In den vergangenen Wochen wurde in Europa eine regelrechte Blase der Furcht vor Syriza aufgepumpt. Die könnte schnell zerplatzen, falls das Linksbündnis wirklich siegt. Weder mit Brüssel noch Berlin oder der EZB darf es sich Tsipras verderben, wenn er von seinen vollmundigen Versprechen auch nur die wichtigsten erfüllen will.