Das "Café Moskau" in der Berliner Karl-Marx-Allee ist am Montagabend rot illuminiert: Die Linkspartei hat an traditioneller Stätte zum Neujahrsempfang geladen. Im Saal schwirrt Fraktionsgeschäftsführerin Petra Sitte herum wie eine Zeremonienmeisterin. Radsport-Legende Gustav-Adolf "Täve" Schur genehmigt sich mit seinen Genossen einen Sekt und Andrej Hermlins "Swing Jazz Orchestra" stimmt die mehreren Hundert Gäste auf ausgelassene Stunden ein.

Die Laune könnte besser nicht sein. Schließlich hat die Linke zwei herausragende Erfolge zu feiern: Den Ministerpräsidenten-Posten Bodo Ramelows in Thüringen und ganz aktuell den Syriza-Erfolg bei der Parlamentswahl in Griechenland. Die deutsche Linke ist erklärter Partner des Tsipras-Bündnisses.

Bundestags-Fraktionschef Gregor Gysi weiß sich eins mit den Gästen: "Wir sind stolz auf Griechenland!" Er fordert Investitionen in Südeuropa, einen Marshall-Plan am liebsten.

Der Star im "Moskau" ist an diesem Tag aber nicht Gysi, sondern Bodo Ramelow. Am Mikrofon ist der Ministerpräsident schnell beim Thema dieser Tage, den Pegida-Demos und den Reaktionen darauf. "Der Islam gehört zu Thüringen", ruft er unter Beifall in den Saal. Damit kontert er seinen christdemokratischen Amtskollegen Stanislaw Tillich, der am Wochenende geäußert hatte, dass der Islam zu Sachsen eben nicht gehöre und damit Kanzlerin Angela Merkel widersprach.

Tillich steht aber unter den deutschen Ministerpräsidenten ziemlich allein da: Auch Baden-Württembergs Regierungschef Winfried Kretschmann von den Grünen hat sich am Dienstag in Stuttgart ähnlich geäußert wie Ramelow: "Der Islam gehört zu uns, weil wir hier Millionen von Muslimen haben."

Ramelow schiebt beim Berliner Empfang aber auch eine Portion Selbstkritik hinterher: "Mit den Menschen über ihre Ängste zu reden, muss eine Linken-Stärke werden." Längst nicht alle in seiner Partei sind so dialogfreudig. "Nie wieder Rostock-Lichtenhagen - das muss unsere Aufgabe sein," sagt Ramelow.

Der Thüringer hat noch eine Botschaft: "Es geht der klare Auftrag nach Sachsen-Anhalt, Thüringen zu folgen." Jan Korte, Linken-Bundestagsabgeordneter aus Anhalt-Bitterfeld, würde dies nur allzu gern tun: "Thüringen ist mit Blick auf Sachsen-Anhalt ein Durchbruch. Das macht uns Mut."