Dresden (dpa/epd) l Eine Woche nach dem Rücktritt von Pegida-Gründer Lutz Bachmann wegen ausländerfeindlicher Äußerungen steht das islamkritische Bündnis ohne klare Führung da. Das Pegida-Organisationskomitee teilte am Mittwoch im Internet mit, dass Sprecherin Kathrin Oertel ihr Amt niedergelegt habe. Sie habe eine "Auszeit" wegen massiver Anfeindungen, Drohungen und beruflicher Nachteile genommen, hieß es. Mit Oertel zogen sich vier weitere Mitglieder aus der Pegida-Führung zurück.

Pegida-Mitbegründer Lutz Bachmann sagte der "Süddeutschen Zeitung", Oertel sei zurückgetreten, weil sie aus Antifa-Kreisen massiv bedroht worden sei. Weder Oertel noch er stünden künftig für Vorstandsposten zur Verfügung.

Streit um Bachmanns weitere Rolle
Seit Oktober des vergangenen Jahres gehen die "Patriotischen Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes" (Pegida) meist montags in Dresden auf die Straße. Zuletzt nahmen nach Polizeiangaben am vergangenen Sonntag mehr als 17 000 Menschen an der Kundgebung vor der Semperoper teil.

Der frühere CDU-Stadtrat von Meißen, Thomas Tallacker, habe wegen seines Engagements bei Pegida in letzter Zeit wegen der Presseberichterstattung berufliche Nachteile gehabt, hieß es auf der Facebook-Seite von Pegida zur Begründung seines Rückzuges. "Ein neuer Vorstand wird in den nächsten Tagen in einer Sondersitzung gewählt."

Auch der Wirtschaftsberater Bernd-Volker Lincke trat aus dem Führungskreis zurück. Er sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Ich kann und will mich mit den Äußerungen von Lutz Bachmann nicht identifizieren." Nach seinen Worten steigen auch AfD-Mitglied Achim Exner und Vereinsvize René Jahn aus. Tallacker sagte auf dpa-Anfrage, er wolle sich vor Donnerstag nicht äußern. Laut "Stern" haben die Beteiligten bis dahin Stillschweigen vereinbart.

Nach Berichten mehrerer Medien ging den Rücktritten ein Streit im 12-köpfigen Organisationskomitee um die künftige Rolle Bachmanns voran, der sich entgegen seiner Ankündigungen offenbar doch nicht ganz aus der Bewegung zurückziehen wolle.

Nächste Demonstration am 9. Februar
Bachmann, Mitgründer der Pegida und bis dato das Gesicht der islamkritischen Bewegung, war über die Veröffentlichung eines Fotos mit "Hitler-Bärtchen" und Facebook-Posts mit menschenverachtenden Beleidigungen gegen Ausländer gestolpert. Am Mittwoch vergangener Woche hatte er sein Amt als Vorsitzender des Pegida-Vereins niedergelegt. Neben dem 42-Jährigen war bisher nur Oertel öffentlich in Erscheinung getreten. Bei der letzten Pegida-Kundgebung hatte sich die 37-Jährige noch kämpferisch gezeigt.

Nach den Rücktritten wurde eine für Montag in Dresden geplante Demonstration abgesagt. Das bestätigte Stadtsprecher Kai Schulz. Über weitere mögliche Anmeldungen wurden keine Angaben gemacht.

Auf Facebook informierte die Bewegung darüber, dass die Demonstration aus "organisatorischen und rechtlichen Gründen ausfällt". Eine Woche später, am 9. Februar werde aber "wieder durchgestartet", hieß es dort. Bis dahin soll ein neuer Vorstand gewählt werden.