Aus der Geschichte
Es ist nicht das erste Mal, dass der Jemen Schauplatz einer Militärintervention wird.

Saudi-Arabien war bereits in den 1960er Jahren in einen Stellvertreterkrieg im Jemen verwickelt. Der Konkurrent war damals Ägypten unter Staatschef Gamal Abdel Nasser.

Im Norden des Jemens herrschte über Jahrzehnte ein konservatives schiitisches Königshaus. Im September 1962 putschten jedoch Offiziere und riefen eine Republik aus. Sie waren mit Nasser verbunden, dessen Pan-Arabismus in der ganzen Region sehr populär war.

Ägypten schickte Zehntausende Soldaten in den Jemen, um die Putschisten zu unterstützen. Die Anhänger der gestürzten Monarchie erhielten hingegen Militärhilfe von Saudi-Arabien, das sah seine eigene Herrschaft massiv in Gefahr.

Erst nach hohen Verlusten und Ägyptens Niederlage im Sechs-Tage-Krieg 1967 zog Nasser die Truppen wieder ab. Historiker sprachen danach auch von einem "Vietnam" des ägyptischen Staatschefs.

Saudi-Arabien hat gemeinsam mit arabischen Verbündeten erstmals mit Waffengewalt in den Bürgerkrieg im Jemen eingegriffen. Um dort den weiteren Vormarsch schiitischer Huthi-Rebellen zu stoppen, bombardierten Kampfjets der Koalition Stellungen der Rebellen in der Hauptstadt Sanaa und an anderen Orten. Damit droht der Bürgerkrieg in einen regionalen Konflikt auszuarten.

Saudi-Arabien wirft dem Iran vor, die Rebellen im Kampf gegen die rechtmäßige jemenitische Führung zu unterstützen. Der von den USA gestützte Staatschef Abed Rabbo Mansur Hadi, der vor den Rebellen geflohen war, hat den Jemen jüngsten Berichten zufolge Richtung Scharm el Scheich in Ägypten verlassen.

An der in der Nacht zum Donnerstag gestarteten Operation "Sturm der Entschlossenheit" beteiligen sich nach Angaben des arabischen Senders Al-Arabija neben Saudi-Arabien die Vereinigten Arabischen Emirate, Kuwait, Bahrain und Katar. Weiterhin würden Jordanien, Marokko und der Sudan Kampfjets entsenden. Auch Ägypten sagte eine Beteiligung mit Luftwaffe und Marine zu, Pakistan denkt nach eigenen Angaben noch über einen Einsatz nach.

Die Huthis versammelten im Zentrum Sanaas Tausende Anhänger, um gegen die Angriffe zu demonstrieren. Ein Sprecher der Huthis bezeichnete die Luftschläge als Kriegserklärung. Damit könne sich der Konflikt im Jemen zu einem Regionalkrieg auswachsen, warnte er.

Bei den ersten Angriffen kamen laut dem von den Huthis kontrollierten Gesundheitsministerium in Sanaa 25 Zivilisten ums Leben. Die Angriffe hätten Wohngebiete in der Nähe des Flughafens getroffen. Nach Informationen der saudischen Nachrichtenagentur SPA wurde hingegen vor allem eine Militärbasis bombardiert. Ein Journalist der "Yemen Post" sagte dem Sender Al-Dschasira, Bomben seien überall in Sanaa gefallen. Die Menschen hätten panisch reagiert.

Hadi hatte bereits am Dienstag um Hilfe gegen die Rebellen gebeten. Die Huthis hatten in den vergangenen Monaten große Teile des Jemen unter ihre Kontrolle gebracht, darunter die Hauptstadt. Dort setzten sie Hadi und die Regierung ab. Der Präsident floh im Februar ins südjemenitische Aden, das er zur neuen Hauptstadt erklärte. Am Mittwoch rückten die Huthis bis in die Hafenstadt vor und zwangen Hadi erneut zur Flucht.

Der Iran verurteilte die Angriffe der Riad-Allianz. "Diese Angriffe sind nicht nur eine Verletzung der territorialen Integrität des Jemen, sondern auch eine sehr gefährliche Entwicklung", erklärte die iranische Außenamtssprecherin Marsieh Afcham.

Das Verhältnis zwischen dem Iran und Saudi-Arabien ist angespannt. Die Golfmonarchie sieht Teheran bereits bei den Konflikten in Syrien und im Irak auf dem Vormarsch. Auch die Aussicht auf ein baldiges Atomabkommen mit den USA ist Riad ein Dorn im Auge - einen größeren Einfluss Teherans auf den Golf will der neue saudische König Salman daher unbedingt verhindern. Die Einmischung im Jemen wird in der Region als erste große Bewährungsprobe für Salman gewertet.

Die EU-Außenbeauftragte Federica Mogherini erklärte, alle regionalen Akteure sollten in der aktuellen kritischen Phase verantwortungsbewusst und konstruktiv daran mitarbeiten, die Grundlagen für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch zu schaffen. Auch Frankreich bekräftigte seine Unterstützung für die Regierung im Jemen. (dpa)