Sanaa (dpa) l Seit Donnerstag inszeniert der mit Geld aus Riad finanzierte TV-Sender Al-Arabija nur noch ein Thema: die saudische Militärintervention gegen die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen.

Die Militärintervention führt der Welt sehr deutlich vor Augen, dass Saudi-Arabien die letzte verbliebene arabische Regionalmacht ist. Die Golfstaaten stehen treu an der Seite Riads. Selbst das bis vor kurzem widerspenstige Katar, das mit Saudi-Arabien lange im Clinch lag, steht in Reih und Glied. Auch die Ägypter, einst stolze Anführer in der Region, sind mittlerweile so abhängig von saudischen Geldern, dass sie kaum widersprechen könnten, selbst wenn sie wollten.

Bedrohung durch den IS

Vordergründig agiert Riad also aus einer Position der Stärke. Tatsächlich aber sieht sich das Königshaus massiv bedroht. Im Norden ist die sunnitische Terrormiliz Islamischer Staat (IS) bis an die irakisch-saudische Grenze vorgerückt. Zudem haben im Irak die Schiitenmilizen ihre Macht ausgebaut. Sie sind eng dem ebenfalls schiitischen Iran verbunden, einem Erzfeind der Saudis.

Teheran unterstützt auch die schiitischen Huthi-Rebellen im Jemen und droht so, seinen Einfluss an den Grenzen des Königreichs auszubauen. "Riad hat Sorge, dass der Iran auch in Saudi-Arabien Unruhen entfachen könnte", sagt die Golf-Expertin Jane Kinninmont von der Londoner Denkfabrik Chatham House. Im Osten des Königreichs lebt eine große schiitische Minderheit, die nach Teheran blickt.

All das war Grund genug für die Führung in Riad, jetzt den Befehl für die Militärintervention zu geben - zumal es niemanden sonst mehr gibt, der stattdessen eingreifen könnte.

Washington will unter keinen Umständen mit eigenen Truppen in den Konflikt eingreifen. Dennoch leisten die USA ihrem wichtigen Verbündeten Saudi-Arabien aktiv Unterstützung. Das US-Militär stellt logistische Hilfe zur Verfügung und liefert Informationen des Geheimdienstes. Auch diplomatisch steht die US-Regierung an der Seite der Saudis. "Wir verstehen und unterstützen die Schritte, die sie unternehmen", sagte ein Sprecher des US-Außenministeriums. So ist es Riad gelungen, international breite Rückendeckung zu gewinnen.

Riskante Intervention

Doch es ist eine äußerst riskante Militärintervention. Durch Luftschläge allein könne die chaotische Lage im Jemen nicht unter Kontrolle gebracht werden, weil Riad ein starker Verbündeter im Land fehle, warnt Frederic Wehrey von der US-Denkfabrik Carnegie. Auch mit einer Bodeninvasion ließe sich ein Krieg in Arabiens Armenhaus kaum gewinnen, schon allein weil es dort mit den Huthis, sunnitischen Stämmen und einem mächtigen Ableger des Terrornetzwerks Al-Qaida viele unterschiedliche Kräfte gibt.

Stattdessen verstärkt der Einsatz den ohnehin schon starken Gegensatz zwischen Saudi-Arabien und dem Iran. So könnte sich der Konflikt im Jemen in einen Stellvertreterkrieg zwischen Riad und Teheran verwandeln - mit ungewissen Auswirkungen auf die ganze Region. In Syrien führen beide Länder praktisch schon einen solchen bewaffneten Konflikt. Iran stützt das Regime in Damaskus, Saudi-Arabien die Rebellen - mit verheerenden Folgen für das Land.

Blutiges Chaos

Die arabische Welt stürzt der Einsatz in ein noch blutigeres Chaos. Mit Libyen, Syrien, dem Irak und Jemen werden mittlerweile in vier Ländern der Region Konflikte mit Waffen ausgetragen. In keinem der Staaten besteht die Aussicht, dass bald Frieden einkehren wird. Und auch die Huthis im Jemen machen nicht den Eindruck, als wollten sie nachgeben. Entschlossenheit zeigte nämlich auch Rebellen-Führer Abdulmalik al-Huthi, als er in einer Fernsehansprache drohte: "Der Jemen wird der Friedhof der Angreifer sein."