Lausanne (dpa) l Die Grundsatzeinigung in dem seit mehr als einem Jahrzehnt andauernden Atomstreit mit dem Iran hat weltweit ein geteiltes Echo ausgelöst. US-Präsident Barack Obama lobte die Vereinbarung als historischen Schritt. Mit Bestürzung reagierte dagegen Israel. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu sieht das Überleben Israels gefährdet.

Nach zähen Verhandlungen hatten sich der Iran sowie die UN-Vetomächte (USA, Russland, China, Großbritannien und Frankreich) und Deutschland am Donnerstag in Lausanne auf Eckpunkte eines Abkommens geeinigt (siehe Infokasten). Eine bindende Vereinbarung ist das noch nicht. Die Verhandler wollen jetzt bis Ende Juni alle Details für einen abschließenden Vertrag regeln.

In der iranischen Hauptstadt Teheran gab es nach der Einigung spontane Straßenfeste. Laut Augenzeugen feierten in der ganzen Stadt Zehntausende, zumeist Jugendliche. Irans Präsident Hassan Ruhani wandte sich am Freitag im staatlichen Fernsehen an seine Landsleute: "Nun beginnt die Ära des Respekts und der Zusammenarbeit mit der Welt."

Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mahnte, für Jubelstimmung sei es noch zu früh. "Wir haben Hindernisse aus dem Weg geräumt, die in den letzten zehn Jahren einer Verständigung mit dem Iran immer im Weg gestanden haben", sagte er im polnischen Wroclaw (Breslau).

Netanjahu hob in einem Telefongespräch mit Obama hervor: "Dieser Deal würde das iranische Atomprogramm legitimieren, Irans Wirtschaft stärken, und Irans Aggression und Terror würden überall im Nahen Osten zunehmen." Obama versprach Netanjahu, standfest zu den Sicherheitsverpflichtungen der USA zu stehen.

Das mit dem Iran rivalisierende Saudi-Arabien, das um Teherans Vorherrschaft in der Region fürchtet, äußerte sich zurückhaltend. Er hoffe, dass auch die später zu erzielende bindende Vereinbarung "zu Sicherheit und Stabilität in der Region und in der Welt beitragen wird", sagte der saudische König Salman.

Russland sprach dagegen von Chancen für eine endgültige Lösung des Konflikts. Die Ergebnisse der tagelangen Verhandlungen am Genfer See machten Hoffnung, dass bis zum 30. Juni ein detailliertes Abkommen formuliert werde, sagte Außenminister Sergej Lawrow. "Die Chancen dafür stehen sehr gut", sagte er der Agentur Interfax zufolge.

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