Die arabische Revolte hat viele Gesichter. In Syrien lässt Machthaber Baschar al-Assad sein Volk abschlachten, und der UN-Sicherheitsrat bringt nicht einmal eine Protesterklärung zustande. Anders in Libyen. Dort wurde die NATO auf der Grundlage eines UN-Beschlusses zur Kriegspartei gegen Staatschef Muammar al-Gaddafi. Die Tunesier wiederum haben ihren Diktator aus eigener Kraft gestürzt und hoffen nun auf die Rückkehr europäischer Urlauber – sie brauchen die Tourismus-Einnahmen, damit ihre Revolution überleben kann.

Und Ägypten! Erst steht dort die Opposition wie ein Mann gegen Hosni Mubaraks Dauerdiktatur auf. Nun vermitteln Kairos neue Machthaber eine mögliche Versöhnung zwischen der islamistischen Hamas und der eher säkularen Fatah. Ein Paukenschlag. Die arabische Revolte ist beim Kernkonflikt dieser Region angekommen – beim Konflikt zwischen Palästinensern und Israel. In diesem sind die Palästinenser auch wegen ihrer Spaltung schwach.Ohne Einigkeit bliebe die Anerkennung eines künftigen Palästinenserstaates, dessen Teile derzeit entweder von der Hamas oder von der Fatah beherrscht werden, eine Illusion.

Wenn die rechtslastige israelische Regierung nun Zeter und Mordio schreit, wird sie – wie jeder andere auch – sehen, wie es ist, wenn die arabische Revolte alte Allianzen aufhebt. Was auch zu einem Sicherheitsproblem für den jüdischen Staat werden kann.

Aber auch Israels Todfeind Hamas bangt. Die Organisation, deren Hauptquartier in Damaskus liegt, muss sich fragen, wie lange sie im syrischen Präsidenten Assad noch eine Stütze haben wird. Assad wankt. Und Mubarak ist längst Geschichte. Mit ihm verlor nicht nur die Fatah von Palästinenserpräsident Mahmud Abbas einen Verbündeten. Mubarak war auch Garant für westlichen Einfluss, weshalb EU-Staaten und USA über die hässlichen Seiten der Diktatur hinwegsahen. Wie bei anderen arabischen Potentaten auch. Deren Sessel und Throne wanken heute.

Die arabische Welt ist im Aufbruch. Wohin die Reise geht, ist unklar. Doch lässt die von Kairo vermittelte Versöhnung ahnen, dass der Westen, der einst willkürlich Grenzen in Arabien zog, so leichterhand wie bisher nicht mehr agieren können wird. Arabien ist aus den alten Fugen und wird nie mehr so sein, wie es war. Es wird selbstbewusster werden.(Politik)