Es wirkte fast vorherseherisch, als der chinesische Künstler Ai Weiwei vergangene Woche erklärte, warum er ein Atelier in Berlin öffnen wolle. Er habe vielleicht keine andere Wahl, wenn sein Leben oder seine Existenz in China "irgendwie bedroht sein sollten", sagte er. Jetzt wurde der Künstler und Aktivist in Peking festgenommen – und es fehlt jede Spur von ihm.

Ai Weiwei ist der bekannteste chinesische Gegenwartskünstler – seine Werke verkaufen sich für Unmengen, in den westlichen Kunstmetropolen wird er wie ein Superstar gefeiert, seine Ausstellungen sind Publikumsmagneten. In China hat er dagegen noch nie seine Werke ausstellen können.

In seiner Heimat war er zwar als künstlerischer Berater an der Gestaltung des Olympiastadions in Peking – genannt das "Vogelnest" – beteiligt. Als Kritiker des kommunistischen Regimes ist er allerdings schon länger in Ungnade gefallen. Bei seiner Arbeit stoße er auf Schwierigkeiten, beklagte er einmal. Ein neu gebautes Studio in Shanghai wurde Anfang des Jahres abgerissen.

Weltweit erregte Ai Weiwei mit seinen spektakulären Aktionen Aufmerksamkeit. In Deutschland wurde der Künstler bekannt, als er zur Documenta 2007 nach Kassel 1001 Chinesen holte. Das Münchner Haus der Kunst widmete Ai Weiwei 2009/10 eine große Einzelausstellung. In London stellte die Tate Modern jüngst 100 Millionen handgefertigte Sonnenblumenkerne aus Porzellan aus.

Ai Weiwei wurde 1957 in Peking geboren. Er studierte an der Filmakademie in Peking und lebte mehrere Jahre in den USA. In unzähligen Dokumentarfilmen zeigt sich sein politischer Aktivismus, wo er Menschenrechte thematisiert.

Längst ist der Künstler auch zum Blogger avanciert und nutzt Twitter, wie andere chinesische Aktivisten, um Missbräuche der Polizei und Behörden anzuprangern. Dabei beweist der Künstler viel Galgenhumor. Als viele seiner Follower wegen der strengen Zensur blockiert wurden, stellte Ai Weiwei aus Protest ein Foto von ihm ins Internet, auf dem er nackt zu sehen war – nur mit einem Kuscheltier vor dem Schritt.

Nach dem schweren Erdbeben 2008 in der Provinz Sichuan begann Ai Weiwei, die Namen der Kinder zu dokumentieren, die in – durch Korruption und Pfusch am Bau – schlecht gebauten und dann eingestürzten Schulen ums Leben kamen. Für seine Suche nach der Wahrheit erntete er Schläge und zog sich schwere Kopfverletzungen zu.

Nach der Festnahme ist nun nicht nur fraglich, wie und ob Ai Weiwei weiter in China arbeiten kann, sondern auch, ob er zu einer Ausstellungseröffnung in Berlin kommen kann, die für den 29. April geplant ist.(dpa)