Das Bischofskreuz der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland zeigt die Osterbotschaft sehr eindrücklich und klar: Dieses Kreuz ist nicht wie ein Schmuckstück aus einem Edelmetall gegossen. Vielmehr hat die Künstlerin, die es geschaffen hat, wie eine Bildhauerin gearbeitet. Sie hat die Kreuzform mit Werkzeugen aus einem Metallstück heraus gefertigt. Die Oberfläche ist ganz uneben, man sieht die Spuren der Werkzeuge. Und in der Mitte ist das Kreuz offen. So ist das Kreuz zweimal dargestellt: im Metall und als offener innerer Raum mitten im Kreuz.

Und darin ist die Osterbotschaft gefasst. Ohne Karfreitag können wir sie nicht verstehen. Beide, Karfreitag und Ostern, gehören zusammen. Und so kommt die Botschaft von Ostern von Karfreitag her. Sie erinnert uns: Unser Leben geht nicht glatt. Es trägt so viele Spuren von Leiden, von Unglück, auch von Versagen und Schuld.

Auch unsere Erde stöhnt und ächzt unter unvorstellbarem Unglück. In diesen Wochen sind wir alle entsetzt über das furchtbare Erdbeben und den nachfolgenden Tsunami mit allen Verwüstungen in Japan. Und angesichts der großen Beschädigungen in den Atomkraftwerken von Fukushima denken wir ganz neu nach über die Grenzen von Wissenschaft und Fortschritt, über die Beherrschbarkeit dessen, was Menschen schaffen können.

Das Kreuz sagt: Gott sieht alles Leiden auf Erden. Er trägt es mit. Er ist an der Seite derer, die leiden. Er will sich damit nicht abfinden. Deshalb bahnt er einen Weg durch den Tod. In Jesu Auferstehung öffnet er unser von Leiden und Unglück gezeichnetes Leben hin zu einem Leben, das wir noch nicht sehen und fassen können. Mitten im Leben, das vom Tod gezeichnet ist, schafft er Raum für Hoffnung.

Im Licht von Ostern leben, das heißt für uns: Seht das Leid. Verschließt nicht eure Augen davor. Schwirrt nicht mit eurem Glauben in schönere Welten ab. Wendet Euch dem Leben zu, wie es ist. Ihr könnt dies, weil ich genau dieses Leben öffne. Was die größte Macht hat und weit ins Leben hinein wirkt, der Tod, diesen habe ich erlitten – und besiegt. Deshalb: Bleibt unermüdlich dabei, Zeichen von Leben in dieser Todeswelt zu setzen. Setzt euch für die ein, die leiden. Nehmt Menschen auf, die vor Krieg und Bürgerkrieg auf der Flucht sind. Lasst nicht zu, dass Menschen ausgegrenzt werden, weil sie anders sind. Setzt Zeichen der Hoffnung und der Mitmenschlichkeit, die wie Blumen im Frühling der Welt ein freundliches Gesicht geben.