Von Holger Spierig

Wenn der Zivi Tarik Ergül das Spielbrett aufbaut, ist er gleich von den behinderten Bewohnern des Bielefelder Bethel-Wohnheims umringt. "Jetzt schauen wir mal, wer die höchste Zahl würfelt", muntert der 19-Jährige seine schwerbehinderten Mitspieler auf. Wenn Ergül Ende Oktober Abschied von Bethel nimmt, dem bundesweit größten diakonischen Unternehmen, gibt es den Zivildienst nicht mehr. Die Aussetzung der Wehrpflicht bedeutet auch für den zivilen Ersatzdienst nach 50 Jahren das Aus.

Nach dem Ende des Zivildienstes will Ergül Soziale Arbeit studieren. Wie er haben seit 50 Jahren rund eine Million der insgesamt rund 2,5 Millionen Zivis laut Diakonie als Zivis in evangelischen Behinderteneinrichtungen, Krankenhäusern und Kindergärten geleistet. Bereits mit Einführung des Zivildienstes traten 26 der ersten bundesdeutschen Zivis ihren 15-monatigen Dienst in Bethel an. Im sozialen Bereich entwickelte sich der Zivi vom vermeintlichen "Drückeberger" bald zu einer festen Stütze. Bethel hat in einigen Jahren 350 Zivildienstplätze gleichzeitig angeboten.

Den Übergang vom zivilen Ersatzdienst zum neuen Bundesfreiwilligendienst sehen Kirche und Diakonie mit gemischten Gefühlen. Diakonie- Präsident Johannes Stockmeier begrüßt denn auch "den Wechsel von der staatlichen Dienstpflicht hin zu einem Freiwilligendienst". Der neue Freiwilligendienst könne den Zivildienst jedoch nur teilweise ersetzen, warnt er. Waren bundesweit zuletzt bis zu 90000 Zivis im Einsatz, wird im neuen Bundesfreiwilligendienst zu Beginn nur mit 35000 Teilnehmern pro Jahr gerechnet.

Der Bundesfreiwilligendienst steht auch Frauen und älteren Menschen offen. Dies sei eine Chance für die Gesellschaft, sagt der stellvertretende Bethel-Chef Bernward Wolf. Klar sei aber auch, dass der neue Dienst nicht einfach ein abgespeckter Zivildienst sei. "Das, was bisher der Zivildienst war, wird grundlegend verändert werden", ist er überzeugt.(epd)