Von Ulrike Koltermann

Sie hat ihm ihre Karriere geopfert und seitdem immer den Rücken freigehalten: Anne Sinclair war auf dem Höhepunkt ihrer beruflichen Laufbahn, als sie sich vor gut 20 Jahren in Dominique Strauss-Kahn verliebte. Er war Gast in ihrer Talkshow und bekam bald den Spitznamen "Monsieur Sinclair". Heute ist Anne eher als "Madame Strauss-Kahn" bekannt.

Dass ihr Mann einen Hang zu anderen Frauen hat, hatte sie bislang mit Fassung getragen – und ihn dabei auch noch gegen Kritiker in Schutz genommen. Was jetzt in ihr vorgeht, mag sich niemand vorstellen.

"Ich glaube keine Sekunde an die Vorwürfe gegen meinen Mann. Ich zweifle nicht daran, dass seine Unschuld bewiesen wird", lautete ihr knapper Kommentar wenige Stunden nach der Festnahme von Strauss-Kahn. Sie hielt sich zu dem Zeitpunkt noch in Paris auf, flog dann aber umgehend nach New York.

Einen ganz anderen Ton schlug sie bei der Affäre ihres Mannes mit einer ungarischen IWF-Mitarbeiterin an, die ihm 2008 beinahe den Job gekostet hätte. Damals überzeugten die PR-Berater ihres Mannes sie, die Affäre mit ein paar emotionalen Zeilen auf ihrem Blog abzuhaken. So etwas könne in jeder Ehe vorkommen, schrieb Sinclair. "Wir lieben uns noch wie am ersten Tag."

Mit dem Fernsehstar Anne Sinclair hatte DSK, wie Strauss-Kahn in Frankreich genannt wird, eine gute Partie gemacht. Beide hatten Ehen hinter sich. Zusammengerechnet haben sie sechs Kinder. Anne war berühmt, reich und intelligent.

Ihr Großvater Paul Rosenberg war einer der wichtigsten Kunsthändler in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts und hat ihr einen Teil seiner millionenschweren Sammlung hinterlassen.

Journalistin wurde sie aus Leidenschaft. Ihre Sendung "7 sur 7" am Sonntagabend wurde zum Plaudersofa der Nation, Sinclair war damals so etwas wie die französische Maischberger. Bis Dominique mit seiner Karriere durchstartete und Sinclair die ihre an den Nagel hängte.

Viele Franzosen warten mit Spannung, was Sinclair zu den schweren Vorwürfen zu DSK sagen wird. Nach einem Bericht von "Le Monde" hatte ihr Mann sie angerufen, als er auf dem Weg zum Flugzeug war, und von einem "schweren Problem" gesprochen.(dpa)