Nach dem Tod von Osama bin Laden ist nicht klar, wer künftig das Kommando des Terrornetzes übernimmt, das inzwischen Ableger in vielen Staaten hat. Als mögliche Kandidaten gelten:

p Eiman al-Sawahiri: Der Ägypter gehört wie Bin Laden zu den Al-Qaida-Mitgliedern der ersten Stunde. Er galt bislang als Nummer zwei an der Spitze des Terrornetzes. Der heute 69 Jahre alte Chirurg schloss sich bereits in jungen Jahren in seiner Heimat der Muslimbruderschaft an. Da ihm die Ideologie dieser Gruppierung nicht radikal genug war, wechselte er später zum Islamischen Dschihad, der Ägypten mit Gewalt in einen Gottesstaat verwandeln wollte.

Al-Sawahiri wurde als Terrorverdächtiger inhaftiert und in der Haft misshandelt. Er schloss sich später dem Kampf der arabischen Mudschahedin-Truppen gegen die sowjetische Armee in Afghanistan an. Dort lernte er Bin Laden kennen, auf den er erheblichen Einfluss ausübte. In religiösen Fragen ist Al-Sawahiri vermutlich belesener als Bin Laden. Doch fehlt es ihm an Charisma.

p Abu Jahja al-Libi: Der libysche Terrorist, der unter seinem Kampfnamen bekannt ist ("Al-Libi" bedeutet "Der Libyer"), ist den Al-Qaida-Anhängern sowohl als Kommandeur als auch als Prediger ein Vorbild. Gemeinsam mit anderen Terrorverdächtigen floh er 2005 aus dem berüchtigten US-Militär- gefängnis im afghanischen Bagram und schloss sich sofort wieder den Terroristen an. In den vergangenen Jahren veröffentlichte Abu Jahja al-Libi, der mehrfach fälschlich für tot erklärt worden war, mehrere Videobotschaften. Zuletzt äußerte er sich Mitte März zum Aufstand in seiner Heimat Libyen.

p Anwar al-Awlaki: Der 40 Jahre alte Jemenit, der auch die US-Staatsbürgerschaft besitzt, gilt als besonders gefährlich. Durch seine Jugendjahre in den USA weiß er besonders gut, wie man kulturell entfremdete Muslime im Westen für den islamistischen Terror gewinnt. Er hatte in den vergangenen zehn Jahren Kontakt zu mehreren Al-Qaida-Terroristen, die später Selbstmordattentate verübten. Für sie war Al-Awlaki eine Art Mentor gewesen. Der Terrorist soll sich im Jemen versteckt halten.

 

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