Heute wählen die Kanadier ein neues Parlament. Zwei Männer haben Chancen auf das Amt des Premierministers, die unterschiedlicher kaum sein könnten.

Stephen Harper (51) ist seit fünf Jahren der 22. Premierminister Kanadas. Er ist in Toronto geboren, hat seine Heimat aber im ebenso rauen wie konservativen Westen gefunden. Harper ist ein Parteienmensch: In drei Parteien hat er Karriere gemacht, zwei hat er sogar mitgegründet. Ohne ihn wäre es 2003 vermutlich nicht zum Zusammenschluss der Kanadischen Allianz und der Progressiv-konservativen Partei zur Konservativen Partei gekommen, die stark genug war, drei Jahre später die Liberalen in der Regierung abzulösen.

Harper ist ein moderner Konservativer. Er sucht die Nähe zu den USA, tritt für starke Streitkräfte ein und scheut sich auch nicht, Kanadas Soldaten weltweit von Afghanistan bis Libyen einzusetzen. Innenpolitisch setzt er auf eine starke Wirtschaft. Kaum ein Industrieland hat die letzte Finanzkrise so gut verkraftet wie Kanada. Kritiker werfen ihm vor, gern am Parlament vorbeizuregieren. Eine historische Geste war seine offizielle Entschuldigung bei den Ureinwohnern Kanadas für erlittenes Unrecht. Der begeisterte Eishockeyfan, der zwei Tage vor der Wahl 52 Jahre alt wird, ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Michael Ignatieff (63) hat Vorfahren bis in höchste russische Adelskreise. Gegenüber dem nüchternen Harper ist der Liberale ein weltgewandter Schöngeist, der als Historiker an den Weltklasse-Universitäten Cambridge, Oxford und Harvard gelehrt hat. Ignatieff arbeitete zudem erfolgreich als Journalist und schrieb Bücher – auch Romane. Einer war gar für den angesehenen Booker-Preis nominiert.

In der Spitzenpolitik ist Ignatieff gerade einmal gute fünf Jahre. Er tritt für eine soziale Ausrichtung der kanadischen Politik ein und sieht die Gesundheitsreform Harpers als ungerecht an. Zugleich vertritt er aber auch harte Positionen, etwa im Strafrecht und im Kampf gegen den Terrorismus, für den er nicht einmal gezielte Attentate ausschließt. Kritiker werfen dem Professor vor, mehr als 30 Jahre im Ausland gelebt zu haben und aus seiner Position heraus die Sorgen der einfachen Kanadier kaum verstehen zu können. Ignatieff, der zehn Tage nach der Wahl 64 wird, ist verheiratet und hat aus einer ersten Ehe zwei Kinder.(dpa)

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