Von Steffen Honig

Gerade erstrahlte die Welt durch Prunk, Prominenz und Profil der Londoner Prinzenhochzeit in monarchistischem Glanz. Doch nicht überall geht es beim europäischen Hochadel so harmonisch wie derzeit bei den Windsors zu.

In ihrem Prinzen Laurent hat Belgien eher einen Adelssproßss zum Abgewöhnen. Laufend sorgt der jüngste Sohn von König Albert II. und Königin Paola für Ärger. Nicht nur, wenn er mit schnellen Autos zum Verkehrssünder wird (Spitzname: Prinz Bleifuß) oder sich im Flugzeug ohne entsprechendes Ticket in der teuersten Klasse platziert.

Jüngst zertrat der Prinz in der Demokratischen Republik Kongo gleich tonnenweise diplomatisches Porzellan. Laurent nahm im März Umweltschutzprojekte in der belgischen Ex-Kolonie in Augenschein. Der 47-Jährige war gegen den ausdrücklichen Willen von König und der Regierung nach Afrika gereist. Mit den belgisch-kongolesischen Beziehungen steht es nämlich nicht zum Besten.

Den Prinzen focht die politische Brisanz nicht an: Er sei privat auf Einladung einer Stiftung für nachhaltige Entwicklung gereist. Die Organisation wird jedoch ausgerechnet von einem Berater Jean-Pierre Bembas, Oppositionsführer im Kongo, geleitet, der Prinz Laurent auch begleitete. Es wird berichtet, das Kongos Präsident Laurent-Désiré Kabila ob dieser Konstellation geschnaubt haben soll – böse Falle.

Die Reaktionen auf den Kongo-Trip des Prinzen waren heftig. Es ging ans Eingemachte, denn Außenminister Steven Vanackere stellte umgehend die Apanage des Prinzen in Frage, über die die Belgier nicht zum ersten Male diskutieren. Laurent erhält jährlich 300000 Euro, die vom Staat – letztlich also dem Steuerzahler – getragen werden.

In die gleiche Kerbe schlug der flämische Politiker Bart De Wever, Sieger der Parlamentswahl von 2010. Was freilich einen schalen Beigeschmack hat. Immerhin haben es De Wevers Partei N-VA und die wallonischen Sozialisten als potenzieller Partner von den französischsprachigen Belgiern in einem Jahr (!) nicht fertiggebracht, eine neue Regierung auf die Beine zu stellen.

Armes Belgien: Maßgebliche Politiker hintertreiben die Einheit des Landes und das Königshaus, das als Klebstoff des Staates fungiert, muss sich mit einem Querkopf in den eigenen Reihen herumschlagen. Immerhin hat sich Laurent verpflichtet, seine Reisen künftig beim Außenministerium anzumelden.