Von Andreas Landwehr

Es sind Veränderungen, die nicht so genannt werden. Oder Reformen, die nicht so aussehen – wie auch immer, das verarmte Nordkorea muss sich wirtschaftlich umstellen, ist Jin Hualin fest überzeugt. Der Professor der Yanbian Universität in Yanji direkt an der Grenze zum stalinistischen Nachbarn sieht in dem neuerlichen Besuch von Machthaber Kim Jong Il in China ein Indiz für einen bevorstehenden, wenn auch nicht ganz so auffälligen Umbruch. Kim war am Mittwoch zu einem weitgehend geheim gehaltenen Besuch in China eingetroffen.

"Ich denke, in Nordkorea wird sich definitiv etwas ändern", sagt Jin Hualin telefonisch der Nachrichtenagentur dpa in Peking. "Jeder seiner drei Besuche in China seit einem Jahr war ein Schritt auf diesem Weg." Diesmal gehe es ganz intensiv um den Ausbau der wirtschaftlichen Kooperation, sagt der Experte. "Sie nennen es im Moment nicht Veränderungen." Aber ein größerer wirtschaftlicher Austausch mit China erfordere unausweichlich auch Bewegung auf nordkoreanischer Seite. "Nach der Reise muss etwas Großes passieren", ist der Experte zuversichtlich. "Das wird definitiv große Auswirkungen auf die Entwicklung in Nordkorea haben."

Doch ähnliche Hoffnungen sind in der Vergangenheit immer wieder enttäuscht worden. Bei jedem seiner Besuche inspizierte Kim Jong Il Entwicklungszonen, die Keimzellen des marktwirtschaftlichen Wandels im kommunistischen China waren. Chinas Führern wäre es am liebsten, wenn sich Nordkorea ein Beispiel an ihrem Reformweg nehmen würde.

Aktiv verfolgt China die "Changchun-Tumen-Jilin Entwicklungszone" im Nordosten an der Grenze. Zweiter Schwerpunkt ist nördlich die Sonderzone mit dem nordkoreanischen Hafen Rajin, auch Rasong genannt, am Dreiländereck mit Russland, Nordkorea und China. Es soll ein Wirtschafts- und Logistikzentrum werden.

Von pragmatischem Denken eines Reformers wie Deng Xiaoping ("Egal ob eine Maus schwarz oder weiß ist, Hauptsache sie fängt Mäuse") ist Nordkorea allerdings meilenweit entfernt. Die letzte Reform des Währungssystems ging voll daneben. Ob der "geliebte Führer" etwas von Wirtschaft versteht, wird bezweifelt. Laut Propaganda läuft ja auch alles bestens. Ideologisch wäre es schon schwierig, allzu offen vom chinesischen Beispiel zu lernen. Für treue Ideologen in Pjöngjang ist es ohnehin Revisionismus, was China da heute treibt.

Wegen der ausgedehnten "Inspektionstour" von Kim Jong Il in Chinas Wirtschaftszentren ist Nordkorea-Experte Jin Hualin aber überzeugt, dass eine Neupositionierung stattfinden wird. "Etwas muss sich verändern", meint der Experte. "Ansonsten wird die Kooperation mit China nicht tief gehen und auch nicht entwicklungsfähig sein." (dpa)