Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 01.02.2010 23:00:00
Mit dem Rücken zur Wand kämpft Palästinenserpräsident Mahmud Abbas derzeit um die Rettung seines Lebenswerkes. Reisen wie jetzt nach Berlin sollen für Unterstützung werben, damit er die Friedensverhandlungen mit Israel auf Augenhöhe fortsetzen kann.

Für den 74-Jährigen geht es auch darum, den eigenen guten Ruf zu retten. Das Image des "Rais", des Präsidenten, hat in den vergangenen Monaten schwer gelitten. Viele Landsleute nehmen es Abbas übel, dass er sich von den Großen wie der US-Regierung und Israel herumkommandieren ließ und wiederholt wortbrüchig wurde.

Abbas zog daraufhin die Notbremse. Er verweigert eine Wiederaufnahme des seit mehr als einem Jahr unterbrochenen Friedensprozesses, solange nicht sichergestellt ist, dass es sich um Verhandlungen für einen Frieden und nicht nur um einen endlosen Prozess handelt. Seine Forderung, wonach Israel erst alle Bauaktivitäten im Westjordanland und Ostjerusalem für ein Jahr stoppen müsse, hat Abbas inzwischen auf drei Monate heruntergeschraubt.

Aus Frustration über den schleppenden Friedensprozess, aus Verärgerung über die US-Regierung, die ihn seiner Meinung nach im Stich gelassen hat, und aus Resignation wegen der sich hinschleppenden innerpalästinensischen Aussöhnung hat Abbas Konsequenzen gezogen. Er will nicht wieder bei Wahlen antreten.

Abbas ist ein palästinensisches Urgestein. Er gehört zu den Mitbegründern der Palästinensischen Befreiungsorganisation (PLO). Er war dabei, als eine Gruppe von Palästinensern und Israelis das Vertragswerk von Oslo aushandelte. Dieses ebnete den Weg zur Autonomie der Palästinenser im Gazastreifen und im Westjordanland. 2003 übernahm Abbas für wenige Monate das Amt des Ministerpräsidenten. Im Januar 2005 trat er die Nachfolge des verstorbenen ersten Präsidenten Jassir Arafat an. Abbas gehört zur moderaten Palästinenserführung, die Gewalt und Terror abgeschworen hat und den israelisch-palästinensischen Konflikt mit Friedensverhandlungen beilegen will.(dpa)