Von Laszlo Trankovits

Südafrikas Präsident Jacob Zuma ist ein Mann mit vielen Gesichtern – am Donnerstagabend konnten seine Landsleute bei der "Rede zur Lage der Nation" einen selbstbewussten Staatschef erleben, der ihnen Mut machte. Als Zuma vor einem Jahr diese Rede zur jährlichen Parlamentseröffnung in Kapstadt hielt, vier Monate vor der Fußball-WM in Südafrika, signalisierten Nervosität und holprige Rede tiefes Unbehagen.

Diesmal war vieles anders: Zuma trat im Parlament deutlich souveräner und mit einer klaren Botschaft für den Kampf gegen die Arbeitslosigkeit auf. Betont versöhnlich sprach er die Millionen an den Fernsehschirmen als seine "Mitbürger" an. Schon allein das war für seine Parteifreunde im Linksbündnis ein schmerzlicher Hinweis, dass Zuma Repräsentant aller Südafrikaner sein will, nicht nur der "Genossen". "Symbolisch sehr wichtig", schrieb der "Business Day".

Zuma wusste, dass er Erfolge vorweisen konnte: Die erste Fußball-WM auf dem Kontinent hatte 2010 Südafrika viel Anerkennung und Respekt beschert. Die Wirtschaft floriert, der Tourismus boomt, der Rand ist stärker denn je. Die Aufnahme in den exklusiven Club der ökonomischen Aufsteiger, den "Bric"-Staaten Brasilien, Russland, Indien und China ist Zuma auch dank seines persönlich intensiven Einsatzes gelungen.

"Zuma hat keine Vision anzubieten", kritisierte zwar nicht nur die "Times". Allerdings beruhigte der Präsident die Wirtschaft, indem er ihre große Rolle bei der Schaffung neuer Jobs betonte, ihnen Abbau von Steuern und bürokratischen Hürden sowie Bekämpfung der Korruption versprach. Kein Wort von einer Nationalisierung der Gold- und Platin-Minen, wie es die Linken in dem ANC fordern. Allerdings wissen die Unternehmer in Südafrika, dass Zumas Regierung die Rolle des Staats in der Ökonomie stärken will.

Zuma erwähnte auch nicht die gefürchteten neuen Medienkontrollpläne, die aus Sicht vieler die Pressefreiheit einschränken würden. Und nichts über die wachsende Vetternwirtschaft im Staat und in den staatlichen Betrieben, deren Nutznießer vor allem Parteikader sind – auch Familienmitglieder Zumas sollen dazugehören.

Zuma erweist sich auch als Präsident immer mehr als Taktiker und Pragmatiker, der sich ungern festlegt, niemandem auf die Füße treten, sich durch breite Bündnisse absichern möchte – wenngleich als roter Faden seiner Reden eine Tendenz zu linken Idealen von Staatswirtschaft und Staatskontrollen durchschimmert. Aber das Ex-Mitglied der kommunistischen Partei macht auch erstaunliche Fehler: Jüngst drohte er öffentlich allen, die nicht ANC wählten, dass sie in die Hölle kämen – während das ANC-Parteibuch eine Art "Freifahrtschein in den Himmel" sei. (dpa)