Von Miriam Bunjes

Seit der Finanzkrise interessieren sich deutsche Anleger zunehmend für ethische Geldanlagen. Obwohl der Markt schnell wächst, ist er im Vergleich zu den Nachbarländern noch sehr klein. Das liegt vor allem an schlechter Beratung, sagen Experten.

Waffenhandel, Ölkatastrophen, Kinderarbeit – das wollen die wenigsten fördern. "Mehr als ein Drittel der Deutschen sagt, dass sie ihr Geld in ethische Geldanlagen stecken wollen", sagt Silke Riedel, Leiterin des Investment Research im Hannoveraner Institut Markt-Umwelt-Gesellschaft (imug). "Wie das geht, wissen sie aber nicht." Das liege vor allem daran, dass die meisten Bankberater sich hier nicht auskennen.

Gerade 0,8 Prozent der Aktienfonds sind in Deutschland nach ethischen Kriterien zusammengestellt. In den Niederlanden sind es mehr als 33 Prozent, zeigt eine Studie des Pariser European Sustainable and Responsible Investment Forum (Eurosif), einem Netzwerk von Vermögensverwaltern, Gewerkschaften und Forschern.

Auch in Deutschland wächst der nachhaltige Aktien-Markt: Im Jahr 2009 um 67 Prozent, wie die Zahlen des Forums für nachhaltige Geldanlagen, dem deutschen Ableger des Eurosif, ausweisen. "Der Finanz-Mainstream denkt um. Bankkunden fragen immer häufiger nach Ethik-Produkten, und Institutionen wie Versicherungen wollen nachhaltige Altersvorsorge anbieten", sagt Silke Riedel. Bislang hätten aber von 5000 Riesterrentenfonds nur zehn ethische Richtlinien.

Auch die Erfolge der deutschen Banken, die nach ethischen Kriterien arbeiten, sprechen für sich: Die GLS- Bank in Bochum habe dieses Jahr Zuwächse von 40 Prozent, sagt Sprecher Christof Lützel. Auch die Umweltbank in Nürnberg und die EthikBank in Eisenberg legten seit der Finanzkrise zu. "Immer mehr Leute wollen nur mit gutem Gewissen investieren", sagt Lützel.

Und dabei Gewinne machen. "Nachhaltige Fonds sind genauso erfolgreich wie normale", sagt Karin Baur, Redakteurin bei der Fachzeitschrift Finanztest. "Wenn ein Unternehmen Energie spart, produziert es günstiger und macht mehr Gewinn. Davon profitieren auch die Anleger."

Nur: Wie erkennen Anleger, dass ihr Geld so verwendet wird, wie sie sich das vorstellen? "Man muss sich genau über die Angebote informieren", sagt Baur. "Manche Anbieter schließen die Atomindustrie nicht aus ihren Umweltfonds aus, weil sie Atomenergie als sauber einstufen. Ethik ist Einstellungssache, und man muss das Angebot finden, das zu einem passt."

Die meisten Fondsanbieter schließen bestimmte Branchen aus den Aktienpaketen aus. Häufig ist auch eine Auswahl nach dem "Best-in-class"-Prinzip. Unternehmen, die in ihrer Branche am nachhaltigsten arbeiten, werden aufgenommen. Die meisten lassen sich bei Rating-Agenturen beraten. Oekom research, eine der weltweit größten Agenturen, hat den Ölkonzern BP schon vor Jahren von der Best-in-class-Liste gestrichen, "obwohl sie in einigen Bereichen mehr für den Umweltschutz tun als viele in der Ölbranche", sagt oekom-Analystin Kristina Rüter. "Wir haben aber immer wieder Hinweise auf Mängel im Sicherheitsmanagement recherchiert."

Nachhaltige Anlagemöglichkeiten bietet nicht nur der Aktienmarkt: Neun ethisch ausgerichtete Banken bieten auch Giro-, Spar- und Tagesgeldkonten, Kredite und Direktinvestitionen nach ethischen Kriterien an. Die kirchliche Genossenschaft Oikokredit (Mainz) vermittelt die Anlagegelder ihrer Mitglieder als faire Kredite an Unternehmen und Genossenschaften in arme Länder. Die Dividende der Anleger liegt bei der fixen Obergrenze von zwei Prozent. Auch die GLS Bank zahlt vergleichsweise niedrige Zinsen. "Als Mitglied im Volks- und Raiffeisenverband ist das Geld bei uns aber sicher", sagt GLS-Sprecher Lützel. "Und unsere Kunden haben als zusätzlichen Gewinn das Wissen, ihr Geld in etwas Gutes investiert zu haben."(epd)