Von Christiane Jacke

Die Taktik der Rechtsextremen ist simpel: Wo Sportvereinen die ehrenamtlichen Helfer fehlen, bieten sie sich an, schleusen sich als Trainer und Funktionäre ein oder gründen gleich eigene Clubs. Als Kümmerer treten sie auf, als freundliche Helfer von nebenan. Das Ziel dahinter: missionieren und junge Leute rekrutieren. Die rechtsextreme Unterwanderung des Sports ist längst nicht auf den Osten beschränkt und hört auch beim Fußball nicht auf. Vertreter aus Politik und Sport wollen nun gemeinsam dagegen vorgehen.

In den vergangenen Monaten sorgte ein Fall aus Sachsen-Anhalt für Aufregung. Der BSC 99 Laucha, ein Fußballverein in einem kleinen Städtchen nahe Naumburg, entließ auf öffentlichen Druck hin seinen Nachwuchstrainer Lutz Battke. Der Mittfünfziger sitzt im Stadtrat von Laucha und im Kreistag des Burgenlandkreises in der NPD-Fraktion. Beim BSC gab er sich als treuer und engagierter Vereinsmensch. Auch auf seiner Internetseite präsentiert er sich als fürsorglicher Mitbürger, der den Alten über die Straße hilft und den Jungen das Kicken beibringt. Da lächelt kein springergestiefelter Neonazi in die Kamera, sondern der nette Nachbar. Nur der knappe Oberlippenbart irritiert.

Die Masche ist immer die gleiche. Die Rechtsextremen gingen subtil vor, sagt der Sprecher des Deutschen Olympischen Sportbundes, Michael Schirp: "Sie helfen und bauen eine Vertrauensposition auf, um dann nach und nach ihre Botschaften unterzubringen."

Die Sportvereine sind anfällig für solche Avancen von rechts. Immer weniger Menschen seien bereit, sich ehrenamtlich zu engagieren, sagt der Sportsoziologe Gunter Pilz. Rechtsextreme nutzten diesen Mangel aus. Sie schleichen sich als Trainer oder Funktionäre in Sportclubs ein, organisieren Freizeitangebote für Jugendliche oder gründen eigene Vereine, wie den "SV Germania Hildburghausen" in Thüringen.

In einigen Regionen, etwa in Mecklenburg-Vorpommern, sei das nächste Schwimmbad oder Jugendzentrum 50 Kilometer weit entfernt, erzählt Gerd Wagner von der bundesweiten Koordinationsstelle Fanprojekte. "In diese Lücken fallen die Rechten ein und bieten den Jugendlichen etwas an." Empfänglich seien vor allem Jungen und junge Männer, die noch kein gefestigtes Gesellschaftsbild haben. Bei den Vereinskameraden fänden sie "Anerkennung und Zugehörigkeitsgefühl". Alltagsrassismus und braune Parolen gibt es gratis dazu.

Die rechtsextremen Eindringlinge in Sportvereinen sind den Experten zufolge keinesfalls ein "Ost-Problem". Die Entwicklungen seien in den alten Bundesländern ebenso zu beobachten, nur nicht so offensichtlich. Der Rechtsex-tremismus versuche Fuß zu fassen und sei längst in der Mitte der Gesellschaft angekommen, sagt Pilz. Durch die große Aufmerksamkeit für den Fußball sei das Problem hier am meisten präsent. Betroffen seien aber auch viele andere Sportarten – Schwimmen, Leichtathletik, Kampfsport oder Disziplinen wie Turnen und Schießen. Bislang stelle sich allein der Fußball seiner Verantwortung, beklagt der Forscher. Anderswo werde das Thema oftmals "verdrängt" und "heruntergespielt".

Innenminister Thomas de Maizière und Familienministerin Kristina Schröder (beide CDU) wollen das Problem nun gemeinsam mit den großen Sportverbänden angehen – mit dem Deutschen Olympischen Sportbund, dem Deutschen Fußball-Bund und der Deutschen Sportjugend.

Das Engagement dürfe keine "Eintagsfliege" bleiben, mahnt Pilz. Wichtig sei, die Sportvereine zu sensibilisieren, zu Wachsamkeit aufzurufen und ihnen Hilfen an die Hand zu geben. Auch ein "gesundes Misstrauen" helfe weiter, sagt der Forscher. Der Sport werde immer so dargestellt, "als liefen dort nur Gutmenschen herum". Normale Sensoren und Warnsysteme funktionierten deshalb nicht. Leichtes Spiel also für die Braunen auf dem Bolzplatz.(dapd)