Von Gabriele Chwallek und Barbara Munker

So einen Abgang vom Amt des Gouvernuers von Kalifornien hätte sich Arnold Schwarzenegger bei seinen früheren Leinwandabenteuern bestimmt nicht gewünscht. Er trat gestern nicht ab als ein erfolgreicher Action-Held, der "aufgeräumt" hat. Vielmehr bescheinigen ihm die Bürger und die meisten Medien, dass seine Muskelpakete auch mit 63 Jahren immer noch beeindruckender sind als die Ergebnisse seiner sieben Jahre im Amt.

Seinem demokratischen Nachfolger Jerry Brown hinterlässt der Republikaner ein schweres Erbe: einen Staat im Finanznotstand mit einem Haushaltsdefizit von über 20 Milliarden Dollar. Das Etatloch ist damit mehr als doppelt so tief wie jenes, das Schwarzenegger selbst seinerzeit übernommen hatte.

Was hatte der gebürtige Österreicher den Menschen im bevölkerungsreichsten US-Staat mit seinen knapp 40 Millionen Einwohnern nicht alles verheißen. Er werde zuallererst die Haushaltskasse sanieren, die Wirtschaft ankurbeln, Arbeitsplätze schaffen. "Wenn ihr einen Wandel in diesem Staat wollt, dann folgt mir." Die Wähler folgten ihm. "Aber heute sind seine Versprechen nur noch ein dünnes Echo", resümierte kürzlich die "Mercury News". Schwarzenegger verlässt seinen Posten mit einer Zustimmung als Gouverneur, die gerade mal halb so hoch ist wie Anfang 2004.

Gibt es einen Trost für Nachfolger Brown, dann diesen: Es kann kaum noch stärker bergab gehen in Kalifornien. Nicht nur, dass der Staat unter einem veralteten Grundsteuersystem leidet, durch das ihm eine Menge Geld durch die Lappen geht. Schwarzenegger hatte versprochen, das zu ändern. Zudem hat die Rezession Kalifornien besonders schwer getroffen. Hier gibt es mit zwölf Prozent die höchste Arbeitslosenquote.

Der Unterschied zwischen Brown und Schwarzenegger ist gewaltig. Der glatzköpfige, asketische Brown studierte Zen-Buddhismus, half Mutter Theresa in Kalkutta und isst vegetarisch. Er war entschiedener Vietnamkriegsgegner.

Und er bringt eine Menge politische Erfahrung mit. Als Schwarzenegger 1982 noch als "Conan der Barbar" agierte, hatte Brown schon fast seine zweite Amtszeit als kalifornischer Gouverneur hinter sich. Als er damals antrat, war er der bisher Jüngste, jetzt wird er mit seinen 72 Jahren der Älteste. Zuletzt war Brown Kaliforniens Justizminister, davor Bürgermeister der Stadt Oakland.

Eines gilt als sicher: Die Umweltpolitik wird auch unter ihm in Kalifornien hohe Priorität haben, da wird Brown alias "Governor Moonbeam", wie der Spitzname des früheren Weltraumfans lautet, nur zu gern in die Fußstapfen seines Vorgängers treten. Tatsächlich hat Schwarzenegger als "grüner" Gouverneur das meiste erreicht; eine seiner größten Errungenschaften feierte er 2006 mit der Unterzeichnung eines Gesetzes zur strikten Reduzierung des Ausstoßes von Treibhausgasen.

Und wie geht es nun mit Schwarzenegger weiter? Er hält alle Optionen offen, darunter auch eine Rückkehr zum Film. Allerdings sehen ihn Hollywood-Insider wegen seines reiferen Alters eher als künftigen Filmemacher denn als neuen "Terminator".(dpa)