Masar-i-Sharif. Thomas Balogh steht vor dem ökumenischen Pfarramt, nur einen Steinwurf von der kleinen Rundkirche des ISA-Camps "Marmal" bei Masar-i-Sharif, entfernt. Auf der linken Seite des Gebäudes haben der evangelische Militärseelsorger und sein Helfer ihr Domizil, rechts Balogh, der katholische, mit seinem Hauptfeldwebel.

Der 51-Jährige mit den Kreuzen auf den Schulterstücken zeigt auf die blaue Pinnwand vor dem Camp-"Pfarramt": "Wir denken an Euch": Briefe, Gedichte, kleine Zeichnungen von Menschen, die mit ihren Gedanken bei den Soldaten am Hindukusch sind. "Diese Aktion ist bei den Soldaten sehr gut angekommen", nickt der Priester.

Das Leben in Deutschland gehe für die Soldaten während ihres Dienstes in Afghanistan weiter, spricht Balogh, der seit November den Soldaten in Nordafghanistan die Seelen stärkt, ein großes Wort gelassen aus. "Und genau dort setzt meine ganz spezielle Hilfe an", schwäbelt er herzhaft. "Zum Beispiel, wenn die Oma zu Hause stirbt und der Missions-Soldat in der Kurve hängt, weil er eigentlich nicht auf Urlaub kann, denn die Großmutter ist keine Verwandte ersten Grades."

Dann sei es an ihm, die Seelenlage des Betreffenden auszuloten, ihm vor Ort Trost zuzusprechen oder bei dessen Vorgesetztem möglicherweise doch zu erreichen, dass sich der Enkel in Deutschland von der Oma verabschieden kann.

Das Weihnachtsfest war für den Mann im Bundeswehrtarn, der im normalen Leben Standortpfarrer in Deutschland ist, eine "Herausforderung", wie er sagt. "Es war nicht das Weihnachten, wie man es sich vorstellt", erzählt er. "In der Kirche war für Heiligabend ein internationaler Gottesdienst geplant. Minuten vorm Beginn habe ich die Nachricht erhalten, das im Camp-Lazarett ein Mann im Sterben liegt."

Balogh war dort hingeeilt, um dem Sterbenden beizustehen. "Ich musste um 21 Uhr zurück zu den Wartenden in der Kirche." Unter solchen Umständen freudige, weihnachtliche Gefühle zu entwickeln, sei ihm kaum gelungen, räumt er ein.

Im Einsatzland sei die Kirche – anders als zu Hause – "Bestandteil des Alltag". Der Pfarrer sei nicht jemand, den man erst aufsuchen müsse. "Ich teile mit den Soldaten dasselbe Schicksal, esse dasselbe Essen, lebe wie sie, habe dieselben Ängste." Diese "Nähe" – örtliche und seelische – mache den Unterschied aus.

Balogh hält die psychologische Betreuung im Einsatzland für "ausreichend" und sogar für "besser, als in deutschen Kasernen". Gemeinsam mit dem Psychologen kümmere er sich um das innere Gleichgewicht der Männer und Frauen, und das klappe gut.

"Die Soldaten wissen, dass sie jederzeit zu mir kommen können. Ganz gleich, ob sie in einem der stillen Räume für sich sein, mit mir sprechen wollen oder ob sie eines unserer Freizeitangebote nutzen wollen.

Berührungsängste hat Balogh nicht. Auch nicht mit Moslems. "Ich werde Kontakte knüpfen mit muslimischen Würdenträgern in der Stadt." Hintergrund sei, den Afghanen zu zeigen, dass der Glaube keine trennende Mauer sein muss.

Durch den kleinen Vorraum mit dem Tresen, der sowohl zum katholischen als auch zum evangelischen Teil der Einrichtung gehört, weht ein delikater Duft von frischem Brot. Grund ist eine Neuanschaffung: ein Backautomat. "Wir kommen kaum mit dem Backen hinterher."