Er ist eine der schillerndsten Figuren des internationalen Waffenhandels und war sogar Inspiration für einen Hollywood-Film. Doch seinen Namen kannten bis vor wenigen Monaten nur wenige. Viktor Bout heißt der Mann, der sich jetzt in den USA vor Gericht verantworten muss. Die Anklage wirft ihm vor, ein skrupelloser Schmuggler zu sein, der Diktatoren, Rebellen und Terroristen mit tödlichen Waffen versorgte.

Er selbst nennt sich einen harmlosen Geschäftsmann. Eines ist bereits jetzt klar: Der Fall Bout hat die Beziehungen zwischen Russland und den USA empfindlich gestört.

Im Film ist es Nicolas Cage, der sich vom kleinen Dealer zum millionenschweren Waffenhändler emporarbeitet und bald weltweit dafür sorgt, dass Kindersoldaten ihre Kalaschnikows und Terroristen ihre russischen RPG-Panzerfäuste bekommen. Die Story ist fiktiv, aber so in etwa sollen sich auch die Geschäfte des früheren Sowjetoffiziers Bout abgespielt haben, sagen die amerikanischen Strafverfolger. Bout habe alle mit allem beliefert, solange nur das Geld stimmte. So ziemlich alles habe er im Angebot gehabt. Nur keine Skrupel.

Bout selbst sieht es ganz anders und mit ihm das offizielle Russland. Er sei einfach ein erfolgreicher Geschäftsmann. Mit einer Flotte Antonow-Transportflugzeuge hatte sich der Ex-Luftwaffenoffizier, damals Mitte zwanzig, nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion selbständig gemacht. Die erste Fracht: Schnittblumen.

Danach gehen die Ansichten über seine Biografie weit auseinander: Während die Russen versichern, Bout habe mit seinen Antonows weiterhin Kurs auf dem Pfad der Tugend gehalten, sehen das die Amerikaner ganz anders. Gerade in Afrika, das der angebliche Ex-KGB-Major gut kannte, habe er allen und jeden mit Waffen versorgt. Die kolportierte Kundenliste liest sich wie ein Fahndungsaufruf des internationalen Strafgerichtshofes. Auf dem von Interpol stand Bout bald selbst.

Bout stehe "unter starkem Verdacht, Verbindungen zur organisierten Kriminalität in Russland zu haben", hieß es 2001 in einem Bericht der Vereinten Nationen. Er "hat die weltweit größte Flotte privater Antonow-Flugzeuge, hat Militärmaterial in alle Konfliktzonen Afrikas geliefert, war 1999 bei Waffenherstellern in Bulgarien" – und so weiter. Trotzdem war der Russe nicht zu fassen. Für Insider ein Indiz, dass er vorzügliche Verbindungen zu Geheimdiensten hatte.

Bout hatte sich wegen der Fahndung nach Russland zurückgezogen, doch im März 2008 wollte er in Bangkok noch einmal Waffen an südamerikanische Rebellen verkaufen. Die "Kolumbianer" waren allerdings US-Agenten. Als er ihnen versicherte, dass man mit seinen Raketen prima amerikanische Flugzeuge abschießen könne, griffen sie zu.

Nach dem Klicken der Handschellen begannen 32 Monate diplomatisches Tauziehen. Mit aller Macht wehrte sich der Kreml gegen eine Auslieferung Bouts. Von "beispiellosem politischen Druck" der US-Regierung auf Thailand war die Rede, einer gesetzeswidrigen Festnahme und "Einmischung" der USA. Letztlich war es vergebens: Im November vergangenen Jahres wurde Bout nach New York geflogen.

"Ich habe noch nie mit Waffen gehandelt", hatte der Russe versichert und auch seine Familie schildert ihn als liebevollen Familienvater, besorgt um andere Menschen und den Regenwald. In amerikanischen Zeitungen heißt es hingegen, der Kreml sei beunruhigt über den Prozess, weil angebliche Verbindungen zwischen russischen Regierungsstellen und dem illegalen Waffenhandel ans Licht kommen könnten. Immerhin sieht sich Bout, gerade in Haft 44 geworden, schweren Anschuldigungen gegenüber. Wenn er schuldig gesprochen wird, muss er 25 Jahre in Haft. Mindestens. (dpa)