Von Anne-Beatrice Clasmann und Gregor Mayer

Das Scheinwerferlicht scheut er, öffentliche Reden hielt er bisher keine. Omar Suleiman, während der Unruhen in Ägypten überraschend zum Vize-Präsidenten ernannt, ist nicht nur der oberste Geheimdienstler seines Landes. Er ist engster Vertrauter und Berater seines Präsidenten Husni Mubarak und subtiler Vermittler in den komplizierten Nahost-Friedensgesprächen, im hochkomplexen Streit der Afrikaner um das Nilwasser und zwischen den verfeindeten Palästinenserfraktionen. In Ägypten wird ihm die erfolgreiche Zerschlagung der islamistischen Terrorzellen zugeschrieben.

Er ist diskret, gilt bei seinen Freunden als ruhig und beherrscht. Neben seiner militärischen Ausbildung in Kairo hat er Politikwissenschaften studiert. Er stammt aus der ländlichen Provinz Kena in Ober-ägypten, wo er nach unterschiedlichen Quellenangaben 1935 oder 1936 geboren wurde.

Nach einer Laufbahn in der Militärabwehr wurde er 1993 Chef des Allgemeinen Sicherheitsdienstes. Der General, der in den beiden Nahostkriegen 1967 und 1973 gegen Israel gekämpft hatte, ist Mubaraks Mann für heikle Aufträge. Das unbedingte Vertrauen seines obersten Chefs errang er 1995, als dieser an einem Afrika-Gipfel in der äthiopischen Hauptstadt Addis Abeba teilnahm. Elf ägyptische Extremisten waren ihm dorthin gefolgt und hatten auf dem Weg vom Flughafen in die Stadt das Feuer auf die Präsidenten-Limousine eröffnet. Mubarak blieb unversehrt – denn Suleiman hatte am Tag zuvor dafür gesorgt, dass der ursprünglich eingeflogene "softe" Wagen gegen ein Fahrzeug mit Panzerung ausgetauscht wurde.

Suleiman gilt seit Jahren als potenzieller Nachfolger des nunmehr in Bedrängnis geratenen Präsidenten. Die USA und Israel betrachten ihn als "Wunschpartner", da er nicht nur den islamistischen Terror in seiner eigenen Heimat bekämpfte, sondern auch die pro-westliche Palästinenserfraktion um deren Präsidenten Mahmud Abbas gegen die islamische Hamas unterstützt. Andere Gerüchte sahen ihn als künftigen Vize-Präsidenten für den Fall, dass Mubarak das Präsidentenamt an seinen Sohn Gamal weitergeben würde. Der Geschäftsmann und Politiker wäre der erste Präsident seit 1952, der nicht aus dem Militär käme. Suleiman würde in diesem Szenario dieses "Defizit" ausgleichen.

Der Spionage-General gilt außerdem als unberührt von der im Regime weit verbreiteten Korruption. Mubarak, der um sein politisches Überleben kämpft, hat nun den heikelsten Auftrag für ihn: zu retten, was noch zu retten ist. Im schlimmsten Fall könnte er immer noch zum Manager eines geordneten Rückzugs und eines möglichst schmerzfreien Übergangs werden.

Doch die Umstände seiner hastigen Ernennung zum Vize-Präsidenten – ein Amt, das die Verfassung vorsieht, das aber Mubarak fast 30 Jahre unbesetzt ließ – dürften ihm nicht helfen. Omar Suleiman mag das freundlich lächelnde Gesicht des hässlichen Regimes in Kairo sein. Für die Menschen auf der Straße ist er dennoch ein Gesicht des Regimes. (dpa)