Ein flauschiger Teddybär liegt auf der linken Seite und hat ein blutiges Einschussloch in der Brust. Mit diesem Bild hatten Schweizer Sozialdemokraten und Grüne im Vorfeld der Volksabstimmung für ihre Initiative zum Schutz vor Waffengewalt geworben.

Grund für diese Aktion: Armeeangehörige dürfen in der Schweiz ihre Waffen mit nach Hause nehmen. Diese Regelung hat ihren Ursprung in einer Zeit, in der sich Soldaten im Notfall schnell für die Verteidigung rüsten mussten. Spätestens seit dem Ende des Kalten Kriegs dürfte sich diese fossile Gewohnheit jedoch erübrigt haben.

Verteidigungspolitisch habe das Aufbewahren der Waffe zu Hause keine Bedeutung, meint der Botschafter der Schweizerischen Eidgenossenschaft, Tim Guldimann. "Aber es ist ein Symbol, es hat traditionellen Wert." Und wie wichtig diese Volksbewaffnung für die Unabhängigkeit Helvetiens war, erzählt kein Geringerer als "Wilhelm Tell".

Kein Wunder also, dass die Schweizer nicht geneigt sind, dieses traditionsreiche Symbol der Waffe im Schrank aufzugeben. Überhaupt pflegen die bodenständigen Eidgenossen ihre Traditionen mit großer Leidenschaft – innerhalb ihrer 26 Kantone.

Man könnte ihnen aus diesem Grund vorwerfen, stärker der Vergangenheit als der Zukunft verhaftet zu sein. Im Zeitalter der Globalisierung versuchten sie sich abzuschotten und ihre – oft der Satire zum Opfer fallenden – Neutralität zu wahren.

Aber besonders in einem Punkt ist die Confoederatio Helvetica anderen Staaten voraus: "Der politische Diskurs läuft bei uns auf einer anderen Ebene", meint Botschafter Guldimann. "Es muss ein Dialog zwischen den unterschiedlichen Meinungsträgern vorhanden sein. Dass es auch in Deutschland gute Erfahrungen damit gibt, hat die Debatte um die vierte Startbahn am Frankfurter Flughafen gezeigt."

Doch nicht nur im politischen Diskurs gibt es Unterschiede zwischen Deutschland und der Schweiz. Auch im alltäglichen Dialog haben die südlichen Nachbarn andere Prioritäten. "Die Deutschen sind sehr direkt und nennen die Dinge beim Namen. Die Schweizer hingegen sagen vieles lieber durch die Blume", erklärt Guldimann. So lassen sich eventuelle Missverständnisse eben nicht nur auf unterschiedliches Vokabular – wie etwa "posten" für einkaufen oder "Velo" für Fahrrad –, sondern auch auf unterschiedliche Umgangsformen zurückführen.

Neben Differenzen verweist der Botschafter der Schweizerischen Eidgenossenschaft auch auf Gemeinsamkeiten, vor allem im historischen Bereich. "Luther und Zwingli sind zwei Persönlichkeiten, die selbst heute noch große Bedeutung haben." Martin Luther übte zu Beginn des 16. Jahrhunderts großen Einfluss auf Ulrich Zwingli aus. Theologisch stimmten die beiden Reformatoren weitgehend miteinander überein, auch wenn Zwingli in der Konsequenz etwas radikaler und resoluter war, als der in Eisleben geborene Theologieprofessor und sich die beiden in der Abendmahlsfrage unterschieden.

Gemeinsamkeiten dieser Art sieht der Botschafter als gute Möglichkeit, die Verbindung zwischen der Schweiz und Deutschland zu intensivieren. "Was macht man mit dem nebulösen Begriff der Beziehungspflege", fragt Tim Guldimann und verweist damit auch hier auf die Notwendigkeit eines Dialogs von Mensch zu Mensch.

"Städtepartnerschaften machen wenig Sinn, wenn nur Delegationen von A nach B geschickt werden. Da fühlen sich die Bürger nicht angesprochen. Sie werden nicht mit einbezogen und verlieren somit das Interesse an der Partnerstadt." Auch groß angelegte Kulturveranstaltungen stuft der in Zürich geborene Diplomat als unvorteilhaft ein. "Da spielt ein großes Orchester auf einer großen Bühne. Das Publikum lauscht andächtig und am Ende geht jeder seines Wegs." Solche Veranstaltungen seien zu teuer und die gewünschte Wirkung würde sofort verhallen.

"Kleine Geschichten" seien ihm in Hinblick auf Partnerschaften viel lieber, sagt der 60-jährige Botschafter. So ließe sich die Beziehung der beiden Nachbarländer durch einen Austausch von jungen Menschen – sei es auf schulischer oder auf universitärer Ebene – intensivieren. "In den Bereichen Bildung und Forschung sind wir auf einer Wellenlänge", betont Tim Guldimann. Als Land ohne Rohstoffe legt die Schweiz – ebenso wie Deutschland – großen Wert auf Entwicklung, Technologie und Forschung. Warum sollte man dabei nicht voneinander profitieren?

Bilder