Was ist uns Sicherheit wert? Diese Frage stellt sich nicht nur angesichts jüngst entdeckter Sicherheitslücken im Lufttransport. Am vergangenen Wochenende diskutierten mehr als 250 Experten von Blutspendediensten der Universitätskliniken, des Deutschen Roten Kreuzes, der Pharmaindustrie und der Privatwirtschaft in Magdeburg über aktuelle Entwicklungen bei der Plasmaspende und Blutplasmaverarbeitung.

Von Uwe Seidenfaden

Elf Blutspenden pro Minute werden allein in Deutschland benötigt, um das Leben von Menschen mit Krebserkrankungen und Blutgerinnungsstörungen, von frisch operierten Patienten und von Unfallopfern zu retten. Etwa drei Viertel der Bevölkerung ist im Verlauf des Lebens mindestens einmal auf eine Blutspende angewiesen, doch nur etwa vier Prozent der Bundesbürger ist selbst Blutspender.

Dass dennoch bislang jeder Patient in Deutschland versorgt werden kann, liegt nicht zuletzt daran, dass es in den vergangenen Jahrzehnten gelang, den Lebenssaft in seine wesentlichen Bestandteile zu zerlegen, ihn von bekannten Krankheitserregern zu befreien und vorübergehend in sogenannten Blutbanken zu lagern.

Die dabei erreichten Fortschritte haben allerdings auch einige Schattenseiten. Nur drei Jahrzehnte zurück liegen die Tragödien, bei denen weltweit tausende von Patienten durch Virenverseuchte Blutpräparate mit AIDS oder Hepatitis C infiziert wurden.

"Heute ist die Übertragung bekannter Erreger durch Bluttransfusionen nahezu ausgeschlossen", so Professor Dr. Marcell U. Heim vom Institut für Transfusionsmedizin am Uniklinikum Magdeburg. Dennoch ist nicht alles eitel Sonnenschein. Die Sorge der Transfusionsmediziner gilt vielmehr den Komplikationen durch Bestandteile im Spenderblut, die beim Empfänger zu Abwehrreaktionen des Immunsystems führen können, und sogenannten stillen Infektionen durch neue Erreger.

Ein besonderes Problem ist nach wie vor die Spenderbetreung und -werbung. Nach der ersten Blut- oder Plasmaspende sei kaum die Hälfte bereit, zumindest noch ein paar Mal weiter Blut zu spenden, so Professor Heim. Auf der Magdeburger Fortbildungsveranstaltung wurden alltagstaugliche Beispiele diskutiert, wie man dem Blutspender eine motivierende Atmosphäre bieten kann, um dessen Vorbehalte zur Blutspende zu nehmen.

Kontrovers diskutiert wurde die Spenderentschädigung. Sie ist nur bei den Universitätskliniken und Plasmaspendezentren üblich. Von den Rotkreuz-Spendediensten wird sie jedoch rigoros abgelehnt. Die dahinterstehende Ethik erschließt sich nicht jedem, denn mit der Verarbeitung und Vermarktung von Blutprodukten werden immerhin Gewinne erwirtschaftet. Nur der Blutspender, ohne dessen freiwilligen Aderlass keine Leben gerettet werden könnten, geht beim DRK leer aus.

Umso seltsamer ist, dass die privatwirtschaftlichen Spendedienste trotz der von ihnen an die Blut- und Plasmaspender gezahlten Aufwandsentschädigung zum Teil sogar niedrigere Preise für ihre Blutpräparate verlangen. Immer mehr privatwirtschaftlich geführte Klinikketten in Deutschland bauen inzwischen eigene Blutspendedienste auf, um auf ihren saisonal stark wechselnden Bedarf an Blutpräparaten flexibel reagieren zu können, informierte der Münchner Gesundheitsökonom Professor Günther Neubauer.

Alle Experten auf der Magdeburger Fortbildungsveranstaltung waren sich jedoch einig, dass die Krankenhäuser bei strikter Beachtung der wissenschaftlichen Erkenntnisse bei der Therapie mit Blutpräparaten bis zu einem Viertel der derzeitigen Kosten einsparen könnten.