Von Tim Braune und André Stahl

Vor gut eineinhalb Jahren gab Angela Merkel den Deutschen ihr Wort: "Wir sagen den Sparerinnen und Spa- rern, dass ihre Einlagen sicher sind." Das war Anfang Oktober 2008 nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers. Es war zwar nur eine politische Erklärung – doch das Krisenmanagement der Kanzlerin und des SPD-Finanzchefs Peer Steinbrück überzeugte selbst politische Gegner.

In einem Kraftakt spannte Deutschland den 480 Milliarden-Rettungsschirm für die Banken auf. Viele Bürger ballten die Faust. Die Steuerzahler waren die Dummen – frei nach dem Motto "Gewinne werden privatisiert, Verluste sozialisiert".

Die Chance dieser Stunde null, die Spielregeln wirklich zu verschärfen, wurde bis heute nicht genutzt. Die Märkte sind immer einen Schritt voraus. So öffneten Banken wieder ihre Kasinos. Die Börsen schossen nach oben, Finanzkonzerne legten tolle Zahlen vor. Als Politiker schon vom Ausstieg aus den Konjunktur- und Bankenhilfen träumten, führten jetzt Schuldenorgien einiger Euro-Länder und Wetten der Märkte die zuvor grundsolide Europa-Währung an den Abgrund.

Nach dem Lehman-Desaster und der Griechen-Tragödie muss die angeschlagene Kanzlerin erneut versuchen, die Ängste der Bevölkerung zu zerstreuen: "Wir schützen das Geld der Menschen in Deutschland", verteidigte sie das 750-Milliarden-Rettungspaket für die Euro-Gruppe.

Gefährlich für Kleinsparer ist eine nun drohende Geldentwertung. Das würde zwar alle freuen, die Schulden bei der Bank haben – einschließlich der Staaten. Aber auch Spar- groschen, Löhne und Renten würden weniger wert sein. Beunruhigend ist, dass das Bollwerk gegen die Inflation, die Europäische Zentralbank, ihren Kampf um die Unabhängigkeit von der Politik zu verlieren droht. Sie soll künftig auch Ramschpapiere von Staaten kaufen, um den Euro zu retten.

Mit den gigantischen Hilfspaketen für Griechenland und die Euro-Zone geht Deutschland an seine finanziellen Grenzen (siehe Kasten). Noch sind es nur Bürgschaften für bis zu rund 150 Milliarden Euro – doch irgendwann könnte die weltweit erstklassige Kreditwürdigkeit auf dem Spiel stehen. Die Rating-Agenturen dürften die Risiken aus den Bürgschaften mit dem Bundesadler schon auf dem Bildschirm haben. Eine Flut von Staatsanleihen, die die Kapitalmärkte gar nicht mehr aufnehmen können, droht nach Einschätzung von Haushaltsexperten der Koalition mit dem Euro-Paket nicht. Anderenfalls hätte auch die Bundesregierung ein Problem. Sie könnte ihre niedrig verzinsten Staatspapiere nicht mehr am Markt unterbringen. Das Schuldenmachen würde dann die Politik noch teurer zu stehen kommen.(dpa)