Oskar Lafontaine zieht sich mit 66 Jahren sicher nicht auf das Altenteil zurück. Der Mann, der als einer der brillantesten Köpfe der deutschen Politik, aber auch als Mann mit Hang zum Populismus gilt, verzichtet zwar wegen seiner Krebs-Erkrankung auf den Linken-Vorsitz. Aber im Hintergrund wird er weiter Einfluss haben. Ob es ohne ihn als Parteichef eine Annäherung zwischen SPD und Linken gibt, bleibt abzuwarten. "Weniger Lafontaine und Wagenknecht", nennt SPD-Chef Sigmar Gabriel als Bedingung für mehr Rot-Rot mit Blick auch auf die Kommunistin Sahra Wagenknecht.

Lafontaines Bilanz kann sich zum Leidwesen der SPD sehen lassen. Die Linke ist drei Jahre nach ihrer Gründung in 13 Landtagen vertreten. Die Partei hat 344 Abgeordnete in Landesparlamente, den Bundestag und in das Europäische Parlament entsandt. Mit der Wahl in Nord- rhein-Westfalen habe sich das Fünf-Parteien-System endgültig etabliert, sagt Lafontaine.

Der Krebs, zweiter schwerer Schicksalsschlag nach dem Messerattentat 1990, bewog ihn zum Rückzug ins Saarland. Von 1985 bis 1998 regierte er dort als Ministerpräsident. 1990 scheiterte Lafontaine, der die Wiedervereinigung zunächst kritisch sah, als Kanzlerkandidat gegen Helmut Kohl. Von 1995 bis 1999 war er SPD-Parteivorsitzender – per Putsch stürzte er damals SPD-Chef Rudolf Scharping. Im Streit mit Kanzler Gerhard Schröder schmiss Lafontaine 1999 den SPD-Vorsitz und das Amt des Bundesfinanzministers hin.

2005 trat der Vater zweier Söhne aus der SPD aus. Ihm gelang dann etwas in der bundesdeutschen Geschichte Außergewöhnliches: Vor allem Lafontaine ist es zu verdanken, dass sich links von der SPD eine gesamtdeutsche Partei durch die Fusion der westdeutschen WASG und der ostdeutschen PDS gründen konnte.

Mit Lothar Bisky wurde er 2007 Parteivorsitzender. Lafontaine galt bisher als Zugpferd als unverzichtbar. Kein Wunder, dass seine Nachfolger als Devise ausgeben, seine Politik – Nein zu Hartz IV, Abzug aus Afghanistan, gesetzlicher Mindestlohn und keine Rentenkürzungen – fortzusetzen.(dpa)