Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 06.04.2010 22:00:00


Bundesgesundheitsminister Philipp Rösler (FDP), selbst studierter Mediziner, hat mit seinem Vorschlag, den Numerus clausus für das Medizinstudium abzuschaffen, eine politische Diskussion angestoßen. Damit sowie mit einer und eine "Landarztquote" für Medizinstudenten will Rösler die Versorgung im ländlichen Raum in Deutschland sichern. Das Echo ist weitgehend positiv, wie nachfolgende Übersicht zeigt.

p MINISTER-VORSCHLAG: Die Kernaussage Röslers in der "Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung" vom 4. April lautet: "Wir haben zwar viele Interessenten, aber nur für jeden Vierten einen Studienplatz, so dass der Numerus clausus mit einem guten Notendurchschnitt von 1,4 sehr hoch ist. Der Notendurchschnitt allein sagt aber nichts darüber aus, ob jemand ein guter Arzt wird. Ich finde, da kommt es noch auf ganz andere Faktoren an: So spielt die Fähigkeit zur menschlichen Zuwendung eine große Rolle. Deswegen plädiere ich für eine Abschaffung des Numerus clausus und für eine stärkere Berücksichtigung von Auswahlgesprächen.

Ärztemangel sieht Rösler vor allem auf dem Land. "Wir haben eine Überversorgung mit Ärzten in Ballungszentren und schon jetzt eine spürbare Unterversorgung im ländlichen Raum."

Soziale Kompetenz erkennen und nutzen

p POLITIK: Sachsen-Anhalts Gesundheitsminister Norbert Bischoff (SPD) erklärt auf Volksstimme-Nachfrage: "Ich begrüße den Vorschlag. Gesundheitspolitisch ist darüber nachzudenken, das Auswahlverfahren für Studienbewerber zu verändern. Um den veränderten Anforderungen der Gesellschaft gerecht zu werden, ist es wichtig, auch die notwendigen sozialen Kompetenzen zu erkennen und zu nutzen. Das heißt, ist die Bereitschaft vorhanden, als Hausarzt zu arbeiten oder engagieren sich die Bewerber bereits im Gesundheitsbereich? Der Vorschlag wird bereits mit den Gesundheitsministern der Länder diskutiert. Er muss aber auch mit den Bildungsministern abgestimmt werden."

Noch weiter geht der Gesundheitspolitiker Jens Spahn von der Bundes-CDU: "Wir begrüßen die Vorschläge und sollten uns in der Koalition noch vor der Sommerpause auf Eckpunkte einigen", meint er in der Tageszeitung "Die Welt". "Auch Menschen mit einer zwei oder drei im Abitur können gute Ärzte werden", betonte Spahn. "Das heißt ja nicht, dass wir gar nicht mehr auf die Note schauen." Aber es müsse auch die Bereitschaft berücksichtigt werden, sich als Hausarzt in unterversorgten Gebieten niederzulassen. Man könnte 20 bis 30 Prozent der Medizinplätze für Bewerber reservieren, die sich verpflichten, danach in ein unterversorgtes Gebiet zu gehen, schlägt Spahn vor.

"Dies ist ein plakativer und sehr simpler Vorschlag für ein komplexes Problem", meint hingegen die SPD-Bundestagsabgeordnete Carola Reimann in der "Frankfurter Rundschau" . "Der Einzelkämpfer in der Praxis mit 60 Wochenstunden kann nicht das Arztbild der Zukunft sein. Es braucht neue Arbeitszeitmodelle und Teamarbeit."

Pflege-Ausbildung berücksichtigen

p ÄRZTE: Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe begrüßt den Vorstoß. Zur Abiturnote müssten weitere Kriterien für die Zulassung zum Medizinstudium hinzukommen, sagte er der "Welt". So sollten das Engagement im Gesundheitswesen als Pfleger oder Sanitäter und ein Studiengang, der mit der Medizin kompatibel sei, berücksichtigt werden. Das könne etwa Biologie sein, aber auch Philosophie, sagt der Ärztepräsident.

Unterstützung erhält Rösler vom Bundesverband Praktizierender Tierärzte (bpt) "Wir wünschen uns", so Präsident Hans-Joachim Götz "dass die für uns Tierärzte zuständige Bundesministerin Ilse Aigner schnell ähnliche Maßnahmen ergreift, um den sich abzeichnenden Mangel an Nutztierärzten abzuwenden".

p KRANKENKASSEN: Auch die gesetzlichen Krankenkassen (GKV) begrüßen die Vorschläge. Eine zentrale Herausforderung dabei sei, die Überversorgung in Ballungsgebieten abzubauen und die Unterversorgung in anderen Regionen zu verhindern, sagt der Vize-Vorsitzende des GKV-Spitzenverbandes, Johann-Magnus von Stackelberg. Insgesamt seien die niedergelassenen Ärzte in Deutschland "nicht optimal verteilt".

(sh/dpa/ddp)