Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 13.04.2010 22:00:00
Ob Telekommunikation, Post, Energie oder Bahn, wenn es um Netze geht, hat Matthias Kurth viel zu sagen: Der Präsident der Bundesnetzagentur, die frühere Regulierungsbehörde für Telekom- munikation und Post, will dafür sorgen, dass in Deutschland die lange Zeit staatlich garantierte Monopolstellung in diesen Bereichen beseitigt wird und Wettbewerb einzieht zum Wohle der Verbraucher.

Keine leichte Aufgabe für den Juristen. Immer wieder eckt er an. Es hagelt Kritik und Lob zugleich – von der Telekom und ihren Wettbewerbern, den mächtigen Energiekonzernen, der Politik oder auch den EU-Wettbewerbshütern. Auch gerichtlichen Klagen sah sich der "Herr der Netze" oft gegenüber. Doch nach dem Motto "Bange machen gilt nicht" legte Kurth sie alle an die Leine.

Dabei hat sich der 58-jährige Jurist, der von 1994 bis 1999 als Staatssekretär in Hessens Wirtschaftsministerium beschäftigt war, besonders in der Telekommunikationsbranche einen Namen gemacht. Über den Industriezweig und die Probleme, die neue Anbieter oft mit dem Marktführer Telekom hatten, weiß Kurth bestens Bescheid. Schließlich hat er beruflich auch Erfahrungen in der Privatwirtschaft gesammelt, nämlich bei Colt Telecom, wo er von 1999 ein halbes Jahr lang Mitglied der Geschäftsführung war. Dann lockte ein neuer Job.

Das SPD-Mitglied Kurth ging zur Bundesnetzagentur und hoffte dort, Großes bewegen zu können. Zunächst war er Stellvertreter von Klaus Dieter Scheurle, der nach der spektakulären UMTS-Auktion im August 2000 die Behörde verließ. Kurth wurde sein Nachfolger. Schon bald fielen der Agentur, deren Aufsicht sich zunächst auf die Bereiche Telekommunikation und Post beschränkte, neue Aufgaben zu. Die Behörde zeigte den Strom- und Gaskonzernen die Zähne und reguliert seit einigen Jahren auch deren Netze.

Doch ganz besonders stolz ist Kurth auf sein jüngstes Kind: die bislang größte Auktion von Funkfrequenzen in Deutschland. Ab und zu rutscht es ihm heraus, wenn er von "seiner Versteigerung" spricht. Immerhin sei Deutschland das erste Land in Europa, das ein so großes Frequenzpaket versteigere.(dpa)