Z: Wernigerode ZS: WR PZ: Wernigerode PZS: WR Prio: höchste Priorität IssueDate: 15.04.2010 22:00:00
Jede Woche, jeden Tag lehren deutsche Bürokratie und deutsches Behördenwesen das Staunen aufs neue. Um das Gemüt des Steuerzahlers nicht zu sehr zu strapazieren, hier nur drei frische Beispiele für den alltäglichen Wahnsinn.

Nummer eins: Das Umweltbundesamt präsentiert eine Studie, in der sie auf allen deutschen Straßen drei bis vier Euro Maut für jeweils hundert gefahrene Kilometer fordert. Alle Parteien sind sich sofort einig — wann kommt das schon mal vor?! — und schmettern zurück: Unfug, brauchen wir nicht, ab damit in den Papierkorb.

Nummer zwei: Das Bundesverkehrsministerium muss eine gesetzliche Regelung stoppen, welche die Kommunen gezwungen hätte, für enorme Summen gute Verkehrsschilder umgehend auszutauschen. Die eigenen Beamten hatten vor Jahren -zig neue Schilder kreiert, wobei manch Unterschied nur mit Mühe auszumachen ist: Ein albern anmutender Aufwand, völlig überflüssig und unnütz.

Nummer drei: Die Leiterin der Antidiskriminierungsstelle des Bundes nimmt den Stuttgarter "Ossi"-Prozess — an sich schon ein Stück aus dem Tollhaus — zum Anlass, um nochmals allen Ernstes ihre Forderung nach gerechteren Bewerbungschancen auszurufen: Nur noch anonymisierte Lebensläufe sollte es geben, sprich ohne Namen, Adresse, Geburtsdatum, Familienstand und Foto. Leider kann ein "Mensch" (oder eine "Menschin"?) nur äußerst schwierig zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden, wenn Name und Adresse geheim sind.

Aber so ist das: Von Bürokratieabbau ist oft die Rede, tatsächlich aber haben wir einen Aufwuchs. Und sind Stellen erst mal eingerichtet, denken sich ihre Inhaber ständig Neues aus, wovon vermeintlich Wohl und Wehe des Planeten abhängen. Überall sind die Kassen leer, doch an allen Ecken und Enden wird Steuergeld sinnlos verbraten. Sind wir eigentlich noch ein halbwegs vernünftig verwaltetes Land oder längst Absurdistan? Vielleicht sollte man mal bei Radio Eriwan anrufen und fragen ...