Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 26.04.2010 22:00:00
Heinz Fischer (71) ist ein Bundespräsident, der gut dem österreichischen Wesen entspricht: Honorig-höflich ohne klar umrissenes Profil, zurückhaltender Brückenbauer statt lauter Aktionist. Wohl unter anderem deshalb wird der höchste Repräsentant im Staat regelmäßig zum beliebtesten Politiker gewählt. Als sozialdemokratisches Urgestein ist er vielen Konservativen dennoch ein Dorn im Auge.

Am 9. Oktober 1938 wird Fischer als Sohn einer tief in der Sozialdemokratie verwurzelten Familie in Graz geboren. Schon während seines Jurastudiums engagiert er sich politisch, 1961 kommt er als Mitarbeiter des Vize-Präsidenten erstmals mit dem Nationalrat, dem österreichischen Parlament, in Berührung.

Als politischer Ziehsohn des legendären Bundeskanzlers Bruno Kreisky klettert Fischer die Parteien- und Ämterhierarchie nach oben. Seinen Landsleuten wird er vor allem als Parlamentspräsident von 1990 bis 2002 ein Begriff, der stets den Ausgleich sucht. 2004 gewinnt er knapp die Bundespräsidentenwahl gegen seine konservative Konkurrentin Benita Ferrero-Waldner und zieht erstmals in die Hofburg ein.

Aus dem politischen Tagesgeschäft hält sich Fischer – der seine SPÖ-Mitgliedschaft als Präsident ruhen lässt – meist heraus. "Standpunkte des Bundespräsidenten sollten mit Augenmaß formuliert und um Ausgewogenheit bemüht sein", sagt er selbst. Es könne aber auch Situationen geben, wo ein hartes Wort notwendig sei – wie bei Menschenrechten oder Antisemitismus. Als repräsentativer Landesvater scheint der eher vorsichtige Politiker seine Bestimmung gefunden zu haben: Sein Amt mache ihm Freude, auch wenn es anstrengend sei, betont er auf der Hofburg-Internetseite.

Privat gibt sich Fischer ("Ich bin kein Protokoll-Freak") gerne volksnah: Der Vater zweier erwachsener Kinder wird regelmäßig beim Erklimmen von Österreichs Bergen gesichtet, ist Fußballfan von Rapid Wien und geht manchmal zu Fuß ins Büro. Mit Ehefrau Margit ist er seit 35 Jahren verheiratet. Sie sei seine wichtigste Beraterin, sagt er – und schneide ihm außerdem alle drei Wochen die Haare.(dpa)