Fast sechs Jahrzehnte nach dem Tod des Diktators trägt Russland noch immer am späten Fluch Josef Stalins. Für Kriegsveteranen, auf deren Panzern auf dem Weg nach Berlin "Für Stalin" stand, bleibt er die Verkörperung einer ruhmreichen Vergangenheit. Sie blenden Stalins millionenfache Verbrechen aus, wollten unter seinem Bild in Moskau offiziell den 65. Jahrestag des Sieges feiern.

Dem hat die Kremlführung nun einen Riegel vorgeschoben. Spätestens seit der Amtsübernahme von Präsident Dmitri Medwedew wird versucht, ernsthaft Geschichtsaufarbeitung zu betreiben. Die Entschuldigung für das Katyn-Massaker bei Polen und eine erste Öffnung geheimer Akten sind jüngste Belege dafür. Das bleibt ein Spaltpilz für die Bevölkerung: In Wladiwostok stehen bereits die Stalin-Plakate zur Siegesfeier. Wie hieß es schon in vorrevolutionärer Zeit? Russland ist groß, der Zar ist weit.(Politik)