Z: Wernigerode ZS: WR PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 30.03.2010 22:00:00
Das "Forum für Wirtschaft und Arbeit" hat am Montag Vorschläge zur Verbesserung der Berufsvorbereitung an Schulen in Sachsen-Anhalt vorgelegt. Der Zusammenschluss führender Vertreter von Wirtschafts- und Kommunalverbänden sowie Behörden will mit den neun "Thesen zur Bildungspolitik" eine Diskussion anstoßen. Die Volksstimme dokumentiert die Thesen in Auszügen.

1. Berufliche Bildung anerkennen und duale Ausbildung stärken!

Facharbeiter stellen mit über zwei Dritteln die übergroße Mehrheit der arbeitenden Bevölkerung in Sachsen-Anhalt. (…) Um auch zukünftig Wirtschaftswachstum zu erzielen, sind Facharbeiter in Größenordnungen erforderlich und müssen ausgebildet werden. Die duale Berufsausbildung darf im Wettbewerb mit den akademischen Abschlüssen nicht zu einer "Restgröße" werden. Es kann nicht darum gehen, die Studierendenquote um ihrer selbst willen zu erhöhen. Es geht an den Marktbedürfnissen vorbei, wenn die Hälfte eines Ausbildungsjahrgangs ein Studium aufnimmt.

2. Vorsorge durch Berufsorientierung!

Leider brechen immer noch zuviele Auszubildende und Studenten ihre berufliche Bildung bzw. ihr Studium ab. Es entstehen somit erhöhte Kosten für die Gesellschaft, aber auch für die Unternehmen. Besonders mit dem Projekt BRAFO wurde für Sekundarschulen landesweit ein einheitliches Instrument zur Berufsorientierung geschaffen. Das Forum für Wirtschaft und Arbeit setzt stark auf Verstetigung und verbindliche Ausgestaltung und Umsetzung dieses Ansatzes.. (…)

3. Berufsschulen im Kerngeschäft ertüchtigen!

Aufgabe der Berufsbildenden Schulen ist es, theoretisches Wissen im Rahmen der dualen Ausbildung zu vermitteln. In den Unternehmen werden die praktischen Kenntnisse vermittelt, Berufserfahrungen gesammelt und bestimmte soziale Kompetenzen wie Teamgeist und Verantwortungsbewusstsein im Arbeitsalltag erworben. Daher sollten vollzeitschulische Maßnahmen zurückgefahren werden, wenn eine gleichwertige duale Ausbildung existiert. Absolventen dualer Ausbildung haben auf Grund ihrer gesammelten Berufserfahrung größere Chancen auf dem Arbeitsmarkt.

4. Plurale, vielseitige und freie Weiterbildungslandschaft erhalten!

Universitäten und Hochschulen sollen durch Angebote zur wissenschaftlichen Weiterbildung den Know-how-Transfer von der Wissenschaft in die Wirtschaft unterstützen, aber keine Angebote im Bereich der beruflichen Aus- und Weiterbildung unterbreiten.

5. Potenziale frühkindlichen Lernens besser nutzen!

Frühkindliche Bildung leistet einen wichtigen Beitrag, um soziale Ausgrenzung zu verhindern, und verbessert die Zukunftschancen von Kindern. Die eingeführten Bildungspläne in den Kindertagesstätten sind konsequent umzusetzen. Die Sprachförderung ist zu verbessern. (…)

6. Das Niveau der Schulabgänger und -gängerinnen ist zu verbessern!

Derzeit können bereits schon bei einem Drittel der ausbildenden Unternehmen Ausbildungsplätze nicht besetzt werden. Hauptgrund ist die mangelnde Ausbildungsreife vieler Bewerber. (…) Es ist eine wichtige Aufgabe vor allem der Sekundarschule, die Ausbildungsreife weiterzuentwickeln. (…) Auch soziale Fähigkeiten wie Zuverlässigkeit, Team- und Konfliktfähigkeit sowie Tugenden wie Leistungsbereitschaft und Zielstrebigkeit müssen verstärkt vermittelt werden.

7. Qualitätswettbewerb im Schulsystem befördern!

Mehr Eigenverantwortung der Schulen könnte ein Weg sein, die Qualität des Unterrichts zu heben. Dazu gehören zum Beispiel Fragen des Budgets und des Personals. (…) Ziel ist eine stärker leistungsorientierte Vergütung. (…)

8. Berufliche Spitzenqualifikationen begrifflich adäquat fassen!

Die Gleichwertigkeit von im Beruf erworbenen Handlungskompetenzen beruflich Gebildeter soll auch durch geeignete, international verständliche Abschlussbezeichnungen dokumentiert werden. (…)

9. Neue Lernkulturen stärken!

Neuere Ergebnisse der neurologischen und pädagogischen Forschung weisen darauf hin, dass angewandte Lehrmethoden oftmals an den spezifischen Möglichkeiten der Jugendlichen von heute vorbeigehen. (…) Weg von einer sogenannten "Frontalbeschulung" hin zu interaktivem Lernen. (…) Der Praxisbezug des Unterrichts ist durch eine stärkere Nutzung von Schülerpraktika in Unternehmen qualitativ anzureichern.