Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 07.02.2010 23:00:00
Von Laszlo Trankovits

Als Jacob Zuma Anfang Januar seine dritte Frau heiratete, verwies er auf die Traditionen und die "Kultur" seines Zulu-Stammes. Also schloss Südafrikas Präsident, in Leopardenfell gehüllt und zu den Buschtrommeln tanzend, erneut den Bund der Ehe. Dies sei viel aufrichtiger, als, wie im Westen üblich, geheim Mätressen und Geliebte zu haben, verteidigte der Polygamist seine Liebe zu vielen Frauen.

Nun aber steht das Staatsoberhaupt Südafrikas da wie der Kaiser ohne Kleider: Die Enthüllung über die Geburt eines unehelichen Kindes entlarvt ihn als Ehebrecher – denn auch die ungeschriebenen Zulu-Gesetze erlauben dem Mann keine Sex-Affären. Das Liebesleben des 67 Jahre alten Präsidenten steht aber auch im Widerspruch zu allen Kampagnen der Regierung und Zumas mächtiger ANC-Partei für "sicheren Sex".

Ausgerechnet in diesen Tagen, an denen mit Veranstaltungen und Festreden an die historische Rede des damaligen Präsidenten Frederik Willem de Klerk, die Befreiung des Freiheitshelden Nelson Mandelas und das Ende der rassistischen Apartheid-Politik vor 20 Jahren gedacht wird, dominiert nun das wilde Liebesleben Zumas Schlagzeilen und Fernsehnachrichten.

Am meisten verübelt wird Zuma, dass er als Vorbild versagt habe. Derzeit schallt von allen Radio- und Fernsehsendern, prangt auf Plakaten die Parole "One Love, one relationship" (eine Liebe, eine Beziehung). Schließlich gehört in einem Land, in dem elf Prozent der Bevölkerung HIV-infiziert sind, der Kampf gegen AIDS zu den zentralen Zielen der Politik.

Zuma reagierte zunächst verständnislos auf die Kritik: Er übernehme ja die volle rechtliche und finanzielle Verantwortung für das außerehelich geborene Kind. Am Sonnabend entschuldigte er sich dann doch öffentlich. Er bedauere "zutiefst den Schmerz", den er seiner Familie, seiner Partei ANC und "Südafrika insgesamt" zugefügt habe.

Zuma hatte mit seinem Sexleben schon früher Aufsehen erregt. In einem Prozess 2006 wegen des Vorwurfs der Vergewaltigung, von der er freigesprochen wurde, hatte Zuma eine eher laxe Haltung zu AIDS demonstriert. Er gab zu, mit einer Frau ungeschützten Sex gehabt zu haben, von der er wusste, dass sie HIV-positiv war – sicherheitshalber habe er sich aber danach "gründlich geduscht". "Wir wissen nicht, wie wir mit dem Appetit dieses Mannes nach Sex umgehen sollen", klagte nun ein namentlich nicht genannter ANC-Funktionär.

Mit der 39-jährigen Somono Khoza hat sich der Präsident eine Geliebte mit einem mächtigen Vater ausgesucht, der bisher auch als enger Freund Zumas galt. Irvin Khoza, einer der reichsten Männer Südafrikas, wird der "eiserne Fürst" und "Pate" genannt, er besitzt den Fußballclub "Orlando Pirates" und ist Chef des Organisationskomitees für die Fußball-Weltmeisterschaft. Mit diesem von vielen gefürchteten Mann sei "nicht gut Kirschen essen", heißt es. Zuma hat inzwischen Verhandlungen mit der Familie Khoza über die Bezahlung eines "Inhlawulo" aufgenommen, des bei Zulus üblichen "Schadenersatzes" bei außerehelich geborenen Kindern.

Zuma war schon fünfmal verheiratet: Eine Ehefrau starb und einmal ließ er sich scheiden. Aktuell hat er drei Ehefrauen. Er will angeblich bald eine vierte Frau heiraten, und zwar nicht die Mutter des im Oktober geborenen Mädchens. Der Präsident hat auch 20 Kinder – von verschiedenen Frauen.(dpa