Z: Magdeburg ZS: MD PZ: Magdeburg PZS: MD Prio: höchste Priorität IssueDate: 17.02.2010 23:00:00
Von Georg Kern

Erst war er als "Conan" und "Terminator" der knallharte Actionstar, dann spielte er in äußerst erfolgreichen Komödien. Ein Image aufbauen, um es anschließend einzureißen, das ist eine Spezialität von Arnold Schwarzenegger. Vielleicht scheint es deshalb vielen bis heute unglaublich, dass es der Mann zu einem der wichtigsten US-Politiker gebracht hat. Der Spiegel-Journalist Marc Hujer hat diese Geschichte neu aufgeschrieben.

Dabei hat er einen stark psychologisierenden Ansatz gewählt. Geboren 1947, wächst Schwarzenegger in kleinen Verhältnissen im Städtchen Thal bei Graz auf. Schon bald werden ihm die Verhältnisse zu beengend. Mit 15 Jahren entdeckt er das Bodybuilding, ein damals noch völlig unbekannter Sport, der zudem stark mit Homosexualität in Verbindung gebracht wird.

Dem jungen Schwarzenegger ist das gerade recht. Bodybuilding wird für ihn zur Befreiung aus der Normalität. Er habe anecken und provozieren wollen, schreibt Hujer. Er wollte "auffallen, nicht gefallen". Ein Rezept, das sich noch als besonders erfolgreich erweisen soll.

Schwarzenegger wird zur unumstrittenen Nummer eins des Bodybuildings, 1968 holt ihn Joe Weider, erfolgreicher Geschäftsmann in der schnell wachsenden Branche, in die USA. Über den Muskelsport kommt Schwarzenegger zum Film. Trotz seines starken Englischakzents setzt er sich ehrgeizige Ziele – und erreicht sie. Mit "Terminator 2" wird er 1991 endgültig zum Weltstar.

Der Film verrät viel über Schwarzeneggers Erfolg. Ironisch bricht der Hauptdarsteller mit dem Macho-Stil des ersten Teils der Reihe: Der Terminator kehrt als gute Maschine zurück, um einen Jungen zu retten. Das Publikum ist überrascht. Schwarzenegger zerstört einmal mehr sein eigenes Image. Der "Reiz des Ungewohnten" sei auch, was am Anfang von Schwarzeneggers politischer Karriere steht, schreibt Hujer.

Schon bald nach seiner Ankunft in den USA beginnt sich Schwarzenegger für Politik zu interessieren. Nixon und Reagan begeistern ihn – er entscheidet sich für die Republikaner. Schwarzenegger wird Fitnessberater von George Bush senior, eine weitgehend bedeutungslose Position, die für den Filmstar allerdings einen großen Vorteil hat: Die Öffentlichkeit gewöhnt sich allmählich an seinen Namen in der Politik.

Dennoch erregt es weltweit Aufsehen, als der Hollywoodstar 2003 für das Gouverneursamt in Kalifornien kandidiert. Bewusst setzt Schwarzenegger auf sein Terminator-Image. Der Bundesstaat hat riesige Haushaltsprobleme. Nur jemand wie er könne die Probleme lösen, behauptet Schwarzenegger.

Er gewinnt die Wahl, doch schon zwei Jahre später steht er vor dem politischen Aus. Kompromisslos hat er versucht, Finanzreformen durchzudrücken und scheitert damit bei Referenden. Schwarzenegger wandelt sich jetzt und sucht die Zusammenarbeit mit den Demokraten. Seine Frau Maria Shriver, als Mitglied des Kennedyclans bestens vernetzt, hilft ihm dabei. Sie rät ihm auch, stärker auf Klimapolitik zu setzen. So legt sich Schwarzenegger innerhalb weniger Jahre ein unverwechselbares Profil als republikanischer Politiker zu.

Das beschert ihm ungeahnte Popularität. Im Wahlkampf 2008 wird sogar kolportiert, der Demokrat Barack Obama könne Schwarzenegger zum Vizepräsidentschaftskandidaten machen. An der Urne hilft ihm der Zuspruch – bei den Gouverneurswahlen 2006 wird er wiedergewählt. Seine Bilanz bisher ist allerdings durchwachsen. Die Haushaltsprobleme Kaliforniens bleiben drückend.

Erstmals könnte Schwarzenegger nicht alle Ziele erreichen, die er sich gesteckt hat. 2011 endet seine Amtszeit – Wiederwahl ausgeschlossen. Noch immer wird spekuliert, Schwarzenegger wolle US-Präsident werden. Dementiert hat er das nicht. Dazu wäre aber eine Verfassungsreform notwendig, weil Schwarzenegger nicht in den USA geboren wurde. Eine entsprechende Initiative gibt es: Schwarzenegger-Anhänger kämpfen für das sogenannte Arnold-Amendment. Die Aussichten sind schlecht, auch Hujer räumt dem Vorhaben kaum Chancen ein. Schwarzeneggers Anhänger halten dagegen, dass der Mann immer wieder für Überraschungen gut sei.

Wer wollte da widersprechen?