Im Dioxin-Skandal zeigt sich einmal mehr die Misere deutscher Kleinstaaterei: Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner ruft die Bundesländer auf, die Namen der mit Giftfutter belieferten Agrarbetriebe zu nennen, doch Aigners Länderkollegen weigern sich. Auch Aigner selbst nennt keine Namen (die sie leicht erhalten könnte). Offenbar haben die Politiker mehr Angst vor Schadenersatzforderungen ruinierter Firmen als vor dem Zorn der Verbraucher.

Wie oberfaul die Sache ist, verdeutlicht ein Vergleich: Wenn bei einem Automodell irgendwo ein Schräubchen locker ist, werden tausende Fahrzeuge in die Werkstätten gerufen, auch wenn dies die Firmen Millionenbeträge kostet. Im aktuellen Dioxin-Skandal gibt es solche Rückrufaktionen von Eiern oder Fleisch nicht. Warum eigentlich ist es für die Industrie rechtlich ungefährlicher, uns vergiftete Lebensmittel anzudrehen, als Autos mit Fehlfunktion?