Was sich in den ostdeutschen Kirchengemeinden abspielt, ist ein epochaler Wandel. Noch vor einem Menschenleben war fast jeder Mensch Kirchenmitglied. Heute ist es eine Minderheit von 17 Prozent. Heerscharen haben sich von der Institution Kirche abgewandt, die meisten unter dem Druck des SED-Regimes. Ein beispielloser Umbruch - doch an den christlichen Bauwerken geht er verblüffenderweise spurlos vorbei. Im Gegenteil: Viele Kapellen, Kirchen, Dome und ehemalige Klöster sind heute so herausgeputzt wie nie zuvor.

Dass im Bernburger Amtsgericht morgen eine Kirchenruine versteigert wird, ist eine seltene Ausnahme. Neugierige und Journalisten werden sich im Saal drängen. Die große Aufmerksamkeit zeigt, dass eine ehemalige Kirche immer noch kein normales Haus ist, dass viele Menschen Erwartungen und auch Befürchtungen haben. Zumindest als Widerhall der Vergangenheit prägt das Christentum das Land noch heute.