Es müsste schon ein Wunder geschehen, wenn die heute im schweizerischen Montreux beginnende Syrien-Konferenz tatsächlich dem im Bürgerkrieg versunkenen Land Frieden bescheren soll. Nicht einmal eine unverzügliche Waffenruhe ist eine realistische Erwartung an das Treffen. Allein die Hoffnung, die Tür einen Spalt breit auf zu bekommen, um einen diplomatisch-politischen Prozess in Gang zu setzen, an dessen Anfang die humanitäre Hilfe für das leidgeprüfte syrische Volk, für die Millionen Flüchtlinge innerhalb und außerhalb Syriens steht, rechtfertigt den Aufwand für die "Genf II" genannte Konferenz. Erst am Ende eines noch sehr, sehr langen Weges wird es um eine Neuordnung des syrischen Staatswesens gehen können. Dabei mag das "Assad muss weg" zwar als kleinster gemeinsamer Nenner aller Regimegegner genügen, für sich genommen ergibt das aber noch keine tragfähige Basis für die Lösung des Konfliktes. Da hat "Genf II" immense Arbeit zu leisten, sollen realistische Perspektiven entwickelt werden.

Dass die Syrien-Konferenz von Anbeginn nur geringe Erfolgsaussichten hat, hängt nicht zuletzt damit zusammen, dass wichtige Akteure auf dem Schlachtfeld Syrien in Montreux und Genf nicht dabei sind - nicht dabei sein wollen oder nicht dabei sein dürfen. Dies wiegt umso schwerer, als der syrische Krieg längst zu einem regionalen Konflikt, zum Schauplatz des Machtkampfes um die Hegemonie in der Region - mit weitreichenden internationalen Konsequenzen - geworden ist. Weshalb es zwingend notwendig ist, auch Iran als wichtige Stütze des Assad-Regimes sowie Saudi-Arabien, Kuwait und Katar samt den von ihnen militärisch und finanziell unterstützten Rebellengruppen an den Verhandlungstisch zu bitten oder zu zwingen. Auch die Türkei. Ja, warum nicht auch Israel?

Einen festen Willen und viel Mut braucht es, soll am Ende von "Genf II" doch so etwas wie ein Wunder stehen.